Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Wille, der Verstand vor; beim Weibe, die Phantasie.
Das Leben des Magens, welches in der Digestion besteht,
scheint um 12 Uhr Mittags seinen natürlichen Kulmina-
tionspunkt erreicht zu haben; Nachts ist die Verdauung
schwächer; doch die Reizbarkeit des Magens scheint
mir Morgens am stärksten zu seyn. Diese beiden ver-
schiedenen Kräfte des Magens mögen einige Physiologen
mit einander verwechselt, und defshalb angenommen
haben, dafs er des Morgens am kräftigsten sey.
Alles Zeugen ist nächtlich; es ist ein Eingehn des
Individuums in das All, es ist ein Verschmelzen des-
selben zur Gattung. Jede Zeugung ist gleichsam ein
augenblicklicher Tod des Zeugenden, ein sich verlieren
in die Zeugung, so wie die Geburt ebenfalls ein Tod
ist, WO sich das neue Leben vom alten scheidet0).
Coitus und Conception, sind defshalb gröfstentheils
nächtliche Erscheinungen ; die Geburten fallen häufiger
zur Nacht- als zur Tageszeit ; unter 200 Geburten fielen
116 Nachts, 84 am Tage**). Es verdient diesem Ver-
hältnifs eine gröfsere Aufmerksamkeit gewidmet zu
werden, als bis jetzt geschehen ist. Die Wehen werden
zur Nachtzeit stärker000). Gröfsere Fruchtbarkeit ver-
kürzt die Lebensdauer des Individuums; wir sehen
dies besonders an Thieren sich offenbaren; das Huhn
lebt 10 Jahr; die Taube 50 Jahr; die Ziege erreicht
kein so hohes Alter als das Schaaf; das Leben der
Nagethiere ist kurz; der Elephant, Löwe, Bär erreichen
*) S. Lebcnhcini a. a. O.
•*) S. Carus Gynäkologie. 2ter Theil. S. 92.
***) S. dessen oben angeführte Schrift. Kirkland Untersuchung
'über den jetzigen Stand dor Medic, u. Chirurgie. Leip». 1785.