Title:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Persons:
Straus, Heinrich Wikipedia
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einzelne Organ und System macht denselben für sich, ohne
Beziehung auf gegenseitige Wechselverhältnisse etc.
Tag und Nacht, also Wachen und Schlaf, stehen sich
als zwei Pole gegenüber, als plus Pol und minus Pol,
als Evolution und Involution, als Expansion und Con-
traction. Jedes einzelne Organ und System, zeigt im
täglichen Rhythmus dieses polarische Yerhältnifs;
selbst die Funktionen der Seele sind von diesem Rhyth-
mus nicht ganz ausgeschlossen. Obgleich das Leben im
Ganzen des Morgens ein höheres ist, so zeigen sich
doch die Funktionen, die der Expansion im Leben ent-
sprechen, mehr am Morgen thätig, die der Contraction
entsprechen, Abends oder Nachts. Der Schlaf selbst,
ist in den verschiedenen Perioden des Lebens ver-
schieden; das kindliche Alter, das Grcisenalter, das
weibliche Geschlecht, alle dem Contractionspole ent-
sprechend '*) haben einen längern Schlaf als der Mann,
und bedürfen desselben mehr; das neugeborne Kind
verschläft ^/3 des Tages, der Mann kaum */3. Es ist
mir nicht unwahrscheinlich, dafs selbst der Fötus in
diesen Wechsel von Wachen und Schlaf eingehet; an
Beobachtungen in dieser Periode des Lebens rücksicht-
lich dieses Rhythmus , fehlt es meines Wissens gänzlich.
Schwangere, mögen Nachts wenn sie auch wachen, die
Bewegungen des Kindes weniger oder gar nicht ver-
spüren. Dafs das Weib länger das Wachen ertragen
könne als der Mann, was oft angenommen wird, ist
falsch. Im Winter, wiederum der Contractionsseite
analog, ist der Schlaf länger wie im Sommer; eben so
werden die Bewohner der Tropenländer eines kürzern
Schlafs sich erfreuen, wie die der Polarländer.
*) S. Heusinger a. a. O. pag. 20j.