Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Sommer in Eiskellern zur Erstarrung. Ein Murmelthier
schlief darin vom 21. Mai bis zum 3. Juni 1807.
Si'Allanzanis Beobachtung vom Salamander, der bei
10° im Oktober eingeschlafen war, beweifst nach S.
nichts für Säugethiere.
Dafs das Ziehen der Vögel, welches wir schon oben
für ein dem Winterschlaf ähnliches Phänomen erklärt
haben, weder in Temperatur noch in Witterung seinen
Grund habe, sieht man an Störchen , Bachstelzen und
Lerchen, die bei uns, bei strengem Spätwinter eintreffen,
während die Schwalbe uns verläfst, wenn milde Lüfte
wehen. °) Dafs bei den Vögeln ein innerer Trieb ist
der sie zum Auswandern nöthigt, zeigen die, so in
Käfigen eingesperrt, welche, ob sie gleich genug Fut-
ter haben, und nicht von der Kälte leiden, doch zur
festen Zeit der Auswanderung, unruhig werden.
Dafs das thierische Leben im Jahr zwei Mal steigt
und fällt zeigen noch andere Functionen; so eyfolgt die
Heckzeit und das Mausern bei den Vögeln zur bestimmten
Zeit. Eben so hat der Sonnenstand bei Säugethieren
eine grofse Wichtigkeit auf Begattung, Wechseln der
Haare und Geweihe, Veränderung des Wohnpia tz-
zes u. s. w. Im freien Zustand werfen Nager im Früh-
jahr, Wiederkäuer im Herbst, Fleischfresser im Winter.
Interessant ist noch die Verschiedenheit der Pigment-
bildung in den verschiedenen Jahreszeiten. Im Sommer
sind die Thiere gewöhnlich dunkler gefärbt, als im
Winter; in diesem erbleichen dieselben. An den Polen
sind Säugethiere und Vögel meist weifs; je näher dem
Aequator, desto mehr nimmt die Pigmentbildung zu.
Wer irgend Kenntnifs von der Physiologie besitzt, dem
*) 8. Ii eh e n h ci m a. a. O.