Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Bei den Thieren zeigt sich dieses Eingehen in eine
niedere Lebensform, von der untersten Klasse bis zur
Höchsten, da bei den Säugethieren, die Nager, die sich
durch die unvollkommne Ausbildung der Lunge, so wie
durch die venose Beschaffenheit des Arterienbluts, als die
niedrigste Ordnung unter denselben zeigen, auch diesen
Winterschlaf haben. Die Insectenwelt, die sich nach
Steffens den Pflanzen gegenüber bildet, stellt wie
diese äuiserlich, so thierisch innerlich, die Jahreszeit
dar, und der Sommer ist für sie, Wachen, der Winter,
Schlaf. Es giebt keine Gattung von Amphibien, welche
nicht unter geeigneten Umständen Winterschlaf hielten ;
Frösche, Kröten, Eidechsen, Schlangen, Schildkröten
schlafen bei uns ; selbst in Afrika halten Krokodill und
Chamäleon Winterschlaf. Dafs der Winterschlaf nicht
von blofser Kälte herrühre, sondern einen tieferen, in-
neren Grund habe, beweifst das, dafs die Winterschläfer
von starker Kälte aufwachen, so wie auch bei Amphi-
bien , die in den Zimmern gehalten werden, sich eine
Schläfrigkeit zeigt. Der Winterschlaf tritt schon bei
warmer Herbstwitterung ein, und Humbold erzählt von
einem Sommerschlaf, der mehrere Monate dauert; dies
berichtet er von der Boa, und bestätigt das Faktum von
Krokodillen, die in Aegypten schon bei 13° Wärme
schlafen. Der Tanrecs wird in der wärmsten Jahreszeit
im Winterschlaf getroffen. Unter den Nagern halten
Hierax capensis und Pede tes cafer, die am Vorgebirge
der guten Hoffnung leben, einen Winterschlaf. Stärker
äufsert sich das Jahresleiden bei talpa, sciurus, spalax,
sorex, merio. Den höchsten Grad des Winterschlafs finden
wir bei aretomys, cricetus, myoxus, ericacius, vespertilio,
sorex; auch die Fledermaus schläft bei uns im Winter*)*
S. Lob^nheim a. ä. O.