Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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kann uns defsbalb nicht unwahrscheinlich und fabel-
haft erscheinen, ja es mufs uns freudig überraschen,
wenn wir diese beiden Formen ineinander übergehen
sehen, und unsere Meinung von der Homologie dieser
beiden so verschieden scheinender Lebenserscheinnngen
noch mehr bestätigen. Dieser Uebergang der Form zeigt
sich nämlich bei den Schwalben; die Schwalben ver-
senken sich im Winter in Moräste, leben ohne Nahrung
fort, sie erwachen aus ihrer Erstarrung, wenn man sie
am Feuer erwärmt ; diejenigen welche zu spät im
Herbste ausgebrütet, und vor dem Winter keine aus-
gewachsene Flügel haben, oder durch Zufall und Krank-
heit von der Auswanderung zurückgehalten werden,
trifft man sehr oft in Felsenhöhlen an der Seeküste, oder
im Wasser in erstarrtem Zustande. Aristoteles sagt
von den Schwalben, „des Winters gehen sie in warme
Climate, wenn sie nicht sehr weit entlegen; ist dies aber
der Fall, so begraben sie sich in den Climaten selbst,
wo sie wohnen." v) Wenn man auch einem so genauen
Beobachter wie Aristoteles und auch anderen welche
dasselbe behaupten, keinen Glauben beimessen wollte,
so würden wir uns schon aus dem angegebenen Grunde zu
dieser Meinung hinneigen, am wenigsten aber diesen
Uebergang, als einen Sprung in der Natur ansehen.
Die circulatorische Bewegung sehen wir also in
dem Thierleben sich als Winterschlaf verwirklichen ;
bei den Pflanzen haben wir diese Leidensseite so tief
in ihr Leben eingreifen sehen, dafs die meisten beim
Eintritt ihr Leben einbiifsten, defshalb wir auch von
ihnen behaupten, dafs sie nur ein jähriges Leben führen.
*) S. KretscliniAr a. a. O. pag. iSt\.