Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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einen entschiedenen Einflufs, wenn dasselbe gleich
durch gleichzeitigen Einflufs anderer Zeiten unmerklich
ist; dies beweifst der Unterschied solcher die am Tage,
andere Nachts thätig sind ; doch bei stockfinsterer Nacht
mögen wenige wachen. Manche Insecten, wie die Bienen
und Wespen, haben ihre bestimmte Zeiteintheilung am
Tage; viele machen die Nacht zum Tage, da ihr Leben
in eine Zeit fällt, wo keine vollkommene Nacht statt
findet. Schon Aristotele s hist, animal. L. 4 Cap. 10
bemerkt, dafs Fische meist bei Nacht schlafen. An
Cyprinus, Esox lucius, Cobitis fossilis, Muraena anguilla
ist der Umkehr der Tageszeiten häufig zu bemerken.
Die Rotation, zeigt sich als Schlaf auch bei den Am-
phibien, obgleich häufig auch bei ihnen eine Umkehrung
statthat; Crocodille schlafen an bestimmten Tageszeiten,
eben so Saurier undBatrachier; dafs Schlangen schlafen,
ist bekannt; Schildkröten werden oft schlafend getroffen
und so gefangen. Bei den Vögeln ist der Tag von der
Nacht deutlicher getrennt; selbst Nachtvögel schlafen
im Finstern, und benutzen blofs die Dämmerung oder
das Mondlicht zum Raub; eben dies gilt von den
Säugethieren, von denen auch die nächtlichen Raub-
thiere, in finstern Nächten doch ruhen mögen *).
Wir wenden uns jetzt zu dem Jahresleiden unserer
Erdhälfte, welches sich besonders durch zwei wichtige
Phänomene, die dem Winter der Erde gleichbedeutend
sind, in der Thierreihe zeigt; es ist dies nämlich der
Winterschlaf und das Wandern der Vögel.
Nirgends sehen wir wohl eine so auffallende Verschieden-
heit in der Form einer Lebenserscheinung, welcher
doch eine und dasselbe Prinzip zu Grunde liegt. Es
#) S. Lebcuheim a. a. O.