Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
19
Vorrang streitig machen. In das Tag-und Nachtleben
der Thiere, ist man bis jetzt noch nicht so weit einge*
drungen, als man es dem Interesse des Gegenstandes
gemäfs, erwarten sollte ; der aristotelische Beobachtungs-
geist, scheint in dieser Rücksicht unserm Zeitalter zu
mangeln.
Der Schlaf— dieses Verzichten auf Sonderung und
Selbstwollen, auf Freiheit, dieses Ergeben-und Ent-
haltenseyn im All, dieses dem fremden Willen, dem
Gesetz Gehorchen , dieses Aufhören des Beziehens alles
Aeufserlichen auf einen inneren Mittelpunkt, dieses
Bezogenseyn auf unendlich viele kleine Mittelpunkte,
dieses Hineingehen in die unendliche Peripherie des
Alls — wie ihn Lebenheim am angeführten Orte nennt,
nähert das Thier der Erde ; sein Hineingehen in die
Leidensrichtung derselben, zeigt sich selbst durch' die
Stellung, die fast alle Thiere im Schlafe annehmen.
Die meisten Thiere selbst der Mensch, nehmen im
Schlaf die Lage an, die sie als Fötus gehabt, und offen-
baren schon dadurch die niedrige Form des Lebens,
welche ihnen dann zukömmt. Dai's das Licht nicht den
innera Grund des Schlafs abgiebt, zeigen die Nacht-
thiere, welche die Nacht zum Tage und umgekehrt
machen. Die aus tropischen Ländern zu uns gebrachten
Thiere, schlafen am Tage und wachen Nachts. Die
Crustaceen ruhen in finsterer Nacht, öfters auch am
Tage, ihr Schlaf ist mehr ein Erstarren; alle Thiere
welche in Winterschlaf fallen, haben einen tiefern
Schlaf, eben so jugendliche Thiere. In hellen Nächten
sind die Crustaceen thätig, ihre Tageszeit scheint in
merkliche Pausen zu verfallen, so dafs sich an ihnen
der Einilufs anderer cosmischer uns unbekannten Ver-
hältnisse offenbart. Die Rotation, hat auf die Insecten