Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Rhythmus in den Erscheinungen de» thie-
rischen Lebens überhaupt.
Ganz analog dem Pflanzenleben, tritt auch das Thier-
leben (als ein Abbild des Makrokosmus, vorzüglich durch
die beiden schon erwähnten Grundtypen des rhyth-
mischen Lebens dem Urorganismus folgend) auf. Das
thierische Leben zu einer Zeit entstanden, wo die Erde
ihre Willensrichtung aussprach, indem sie ihren Tag
dem All enthüllte, wo die Bewegung, wodurch sie ihre
Willenskraft zeigte, schon bei weitem die, welche ihre
Leidensseite kund thut, an Schnelligkeit übertraf,
mufste schon defshalb eine viel gröfsere Breite und
Selbstständigkeit in diesen ihr gleichgehenden Erschei-
nungen haben. Die Eide durch die Hervorbringung
dieser höhern organischen Wesen gleichsam erschöpft,
mufste diesen wider ihren Willen gröfsere Freiheit in
allen ihren Lebensäufserungen lassen; wir sehen hier
defshalb oft eine Umkehrung, des Tages zur Nacht, der
Nacht zum Tage; das Jahresleben ist nicht mehr so
deutlich an seinen Polen getrennt, das Leben hat sich
schon gröfsere selbstständigere Abschnitte geschaffen.
Bei weitem sind aber die cosmischen Einflüsse nicht
ganz getilgt; Licht und Wärme, die Hauptagenten des
thierischen Lebens, zeigen ihre Macht noch auf ver-
schiedenen Seiten; doch wird die Erinnerung überflüssig
seyn, dafs nach der gröfsern oder geringern Vollkommen-
heit der einzeln Thierclassen, auch diese äufsern Mo-
mente von gröfsern oder geringerer Bedeutung sind,
dafs bei den niedrigsten Formen, selbst jene Schwankung
im Leben von Tag und Nacht verschwindet, wenigstens
unseren Sinnen entgehet, so dafs die Pflanzen ihnen den