Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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dafs in abgeschnittenen Pflanzentheilen der Schlaf noch
einige Zeit fortdauert, aber dann aufhört, wenn auch
die Vegetation der Theile vor sich gehet. Es resultirt
hieraus, dafs das Sonnenlicht die vornehmste äufsere
Ursache sey, dafs durch einen regelmäfsigen, vom
Ursprung des Pflanzenreichs stattgefundenen Einflufs
dieses Agens, in jedem vegetativen Körper eine zurück-
laufende Kette von Erregungen sey, vermöge welcher
jene periodische Bewegung auch ohne Einflufs des
Lichts eine Zeitlang erfolgen kann, bei einigen schwächer,
bei andern stärker ; bei Erstem ist nur ein künstliches
Licht vermögend jene Kette zu trennen, bei Letzern
nur Veränderung des Climas, und auch dieses nur
nach mehreren Generationen. Bei Hedysarum gyrans,
die zuerst von Lady Monsan in Bengalen entdeckt ist
sind zwei Arten von Bewegungen bemerkbar, wovon,
die Eine, nämlich die des Hauptstiels und der Haupt-
blätter vom Licht abhängigist, die zweite Bewegung,
die der kleinen Seitenblätter, ist nach Hufeland durch
keinen äiifsem Einflufs unmittelbar abzuändern, als
durch das Abscheeren der Haare, womit der Stiel be-
deckt ist *).
Die tägliche Oscillation im Leben der Pflanzen, zeigt
sich auch noch durch das Ausathmen von Sauerstoff
am Tage, und von Stickgas des Nachts. Die Pflanze
selbst ist schlafend, mehr Pflanze, ihre vegetative
Sphäre ist mehr erhöhet, daher der saftreichere und
üppigere Bau der Pflanzen, die an dunkeln feuchten
Orten wachsen, oder aufbewahrt werden.
*) S. Trevi ranus ». a. O. 5ter Theil pag. 190.