Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Pflanzen ¡11 2 Tage dahin, dais sie Nacht aus Tag machten,
und umgekehrt. Das Ornithoglum umbella tum offnere
und schlofs seine Blumen, je nachdem es dem Sonnen-
lichte ausgesetzt war; die Anthémis maritima, die ihre
Blume zur Nachtzeit geöffnet hält, liefs sie auch beim
Lampenlicht offen. Auf das Oeffnen und Schliefsen der
Blätter, hatte weder künstliches Licht, noch dunkele
Wärme Wirkung; so bei oxalis stricta und carnata.
Mimosa bucocephala schlofs sich sowohl beim Lampen-
licht als in derFinsteraifs zur selben Zeit; zwei Pflanzen
der Mimosa pudica änderten ihren Schlaf, so dafs sie
sich am dritten Tag Abends öffneten, Morgens schlössen;
von der Mimosa pudica hatte es schon Hill bemerkt,
auch bei andern Pflanzen stand das Oeffnen und Schliefsen
zum Grade des Lichts in Yerliältnifs ; doch schliefst er
mit Unrecht dafs das Licht die einzige allgemeine Ur-
sache des Schlafs sey, was schon Decandolle durch
seine Erfahrung widerlegt. Wärme, Kälte, Feuchtig-
keit, Trockenheit, Electricität, wirken ebenfalls auf
die tägliche Bewegung; Linné bemerkt dafs bei manchen
Pflanzen die Kälte im Herbst ähnliche Veränderungen
in der Stellung der Blätter hervorbrachte, als bei andern
der nächtliche Schlaf. Treviranus fand im nafskalten
Sommer 1805 manche Pflanzen Abends schlafen, an
denen sonst keine Veränderung des Blattes zu bemerken
war. Linné bemerkt schon, dafs der Pflanzenschlaf
eben so wenig von Veränderung der Temperatur als von
Dunkelheit abhinge, da schlafende Pflanzen auch im
Treibhause, wo immer gleiche Wärme ist, selbst bei
geschlossenen Fensterladen, doch um gewisse Zeit sich
öffnen und schliefsen. Treviranus hat auch bemerkt,
Decandolle, Journal