Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia

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Das Leben der Pflanzen überhaupt, ist blos ein jähriges ;
blos die Bäume machen davon eine scheinbare Ausnahme.
Dieses jährige Leben gehet in seiner Entwickelung mit
dem der Erde analog, und scheint bei einer oberfläch-
lichen Betrachtung ihnen ganz untergeordnet zu seyn.
Doch die Selbstständigkeit dieser Lebenserscheinungen
zeigt sich so mannichfach, dafs der innere Grund der-
selben deutlich daraus hervorleuchtet. Viele Saamen-
körner, besonders der lilienartigen Gewächse des Caps,
die an ihrem Geburtsort zur Reife gelangt, und in eine
andere Zone gebracht werden, kommen hier zur näm-
lichen Zeit, avo sie in ihrem Vaterlande aufgegangen,
auf. Die peruvianischen Pflanzen blühen bei uns ini
Winter, der mit dem Sommer in Peru gleichzeitig.
Viele fremde nach Europa versetzte Bäume, verlieren
ihre Blätter nicht im Herbst, sondern in der Jahreszeit,
die mit dem Herbste ihres Landes übereinkömmt.
Eben so verhalten sich die von Europa nach dem
Vorgebirge der guten Hoffnung gebrachten Pflanzen.
Dasselbe findet beim Ausschlagen der Knospen statt. *)
Eben so zeigt der tägliche Rhythmus in den Pflanzen,
welcher sich besonders durch den Pflanzenschlaf aus-
spricht, einen gewissen Grad von Unabhängigkeit von
äufsern Einflüssen ; dieser Schlaf ist nicht von der auf-
gehenden oder untergehenden Sonne abzuleiten. Die
tropischen Pflanzen schliefsen bei uns ihre Blumen am
Tage, oder was dasselbe ist, schlafen am Tage; die
Aequinoctialpflanzen haben eine bestimmte Zeit im Tage,
in welcher sie ihre Blumen öffnen und schliefsen, so
dafs man darnach eine Blumenuhr verfertigen kann.
*) S. Trevi ran us A. a. O. 3ur Theil pag. 579-
**) S. Iii n né phiI. botan, pag.
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