Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
,12
liegt, und Instinkt ist ; daher in den niedern Thieren,
der Rhythmus maschinenartig vorherrscht, während
bei yollkommiiern,Zucht und Gewöhnung vieles vermag.
Beim Menschen wirkt die Erziehung dahin , dais alles
Instinktartige unterdrückt, und das Begehrungsvermögen
unter die Herrschaft des Geistes gebracht werde. In
zwischen kann keine Sorge und Pflege, alles Rhyth-
mische im Menschen auslöschen, und es bleibt im Ganzen
in der Haltung des Leibes, in der Sprache, in der
Handschrift, und dergleichen mehr, immer eine Spur
des nicht zu überwindenden individuellen Charakters,
und des daraus entspringenden genannten Gesetzmäfsigen
in der Bewegung, so wie auch Clima und Nahrungs-
mittel ihre Gewalt, womit sie in die Entwickelung
des Menschengeschlechts eingreifen, an der Besonder-
heit in Bewegung u. s. w. der Individuen nach dem
Nationalcharakter darthun *).
Die Homologie der Bewegung der Weltkörper mit
den individuellen Organismen, finden wir aber nirgends
so deutlich und auffallend als im Schneckenei; diese
interessante Entdeckung, die zuerst vom Dr. Stiebel
gemacht wurde, ist von Carus später bestätigt und
näher erörtert worden. Am vierten Tage nämlich, drehet
sich die Dotterkugel im Schneckenei, gleich einem
Planeten, der, um die an seinem Pole sich befin-
dende Axe herumwälzt; das Leberende drehet sich um
das Kopfende; es ist dies die ursprüngliche Urbewegung,
oder die cosmische, rotatorische Bewegung des Eis.
Licht und Wärme vennehren diese Bewegung, am
5. und 6. Tage ist diese Umdrehung ain deutlichsten;
7 bis 8 Umdrehungen erfolgen in einer Minute. Die
*) c. Merk § Dauert.über thier. Bewegungen. Wnr/.b. 1818. p. £>4-