Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
li
Eben so äufsert sich Lebenheim,*) „Im Reich der
Bewegung, herrscht in der Vegetation die Bildung, die
Materie vor. Sie wird sich vorzugsweise dem Gesetz
(fremden Willen) unterworfen zeigen; an ihr wird der
mannichfaltigeEinflufs der Constellation und des Aspects
am ungetrübtesten erscheinen, weil ihr Wille, ganz dem
Nichtwollen in der den bildendenGewalten hingegebe-
nen Unterwerfung bestehet."
Unter den thierischen Bewegungen ist diewillkühr-
liche, die vollkommenste; theils weil sie die selbststän-
digste ist, theils weil die Verknüpfung des räumlichen
und zeitlichen Moments am deutlichsten hier erkannt
wird. Da aber das Vorstellungsvermögen ursprünglich
vor aller willkührlichen Bewegung schon tliätig ist, so
ist sein Eingehen in die Bewegung mit einer Art Frei-
heit verknüpft, welche sich durch Mangel an Rhythmus
offenbart, und eben das ausmacht, was hier willkür-
liches genannt wird; defshalb können also die will-
kührlichen, ins Unendliche, nach der Stärke, der Dauer,
der Geschwindigkeit, der Combination verschieden seyn.
lndefs hat zwischen dem Vorstellungsvermögen und
der körperlichen Bildung einer jeden Thiergattung,
eine prästabilirte Harmonie statt; die beiden Momente
der Lebensoffenbarung stehen unter demselben Ent-
wickelungsgesetz, darum fehlt denn auch beiden will-
kührlichen Bewegungen nicht alle Regelmäfsigkeit in
der Zeit, sondern es entstehet einiger Rhythmus aus
dem Gattungs-Charakter des Thiers, welchen keine
Willkühr überwinden kann, um so weniger, je mehr
das Begehrungsvermögen dem Gattungsgesetze unter-
*) S. Dessen Versuch einer Physiologie des Schlafs. Leipz. 7.4.
l ter Theil.