Titel:
Ueber den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Aus dieser Abhängigkeit, aus diesem Beschränktseyn
der lebenden Natur von dem Universum, aus diesem
Bestehen, in und aus demselben, gehet der Einflufs
hervor, dem die individuellen Organismen, durch das
Seyn im Allorganismus, ausgesetzt sind; dieser sucht
den individuellen Organismus sich anzueignen, und
so die rhythmischen Verhältnisse mit den im Universum
gleichlaufenden, zu verstärken.
Demungeachtet ist, um es noch einmal zu erinnern,
dieser Rhythmus auf keine Weise in den periodischen
Veränderungen der Welt zu suchen, und darin seine
Quelle zu finden. Dieser erwähnte Einflufs ist aber
nicht bei allen Wesen gleich, sondera die Abhängig-
keit ist um so gröfser, je niedriger, je weniger selbst-
ständig die Organismen sind, je mehr sie ihr Leben
von dem der Erde entlehnt haben; ja selbst in ein und
demselben Organismus, müssen edlere Organe freier, vom
irdischen Leben unabhängiger seyn, als die niedrigem.
So wie überhaupt das Leben der niedern Organismen
einfacher ist, sind auch ihre rhythmischen Erscheinun-
gen einfacher, mehr dem irdischen Leben analog; je
höher wir aber die Stufenleiter der organischen Wesen
hillansteigen, je gröfser also die Zahl von Organen
wird, die wir antreffen, deren jedes seinen eignen Rhyth-
mus hat, um so vielfacher, zusammengesetzter, wird
auch die Reihe der rhythmischen Erscheinungen. Von
der einen Seite, benimmt diese zusammengesetztere Form
von Erscheinungen, ihnen die Deutlichkeit; der Ge-
sammteindruck wird durch das Ineinandergreifen der
verschiedenen Rhythmen gestört. Von der andern Seite
aber, wird die Deutlichkeit dadurch vermehrt, dafs je
höher ein Organismus oder ein Organ in diesem stehet,
also je weniger es von äufsern, höhern Kräften gestört