Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Die Lebeiisperiodeii haben denselben Grund, wie
das Leben selbst, und zwar beruhen sie in einerinne-
ren Ursache, nicht in äufsern Verhältnissen, nicht in
der Bewegung des Weltkörper, weshalb jene Erklä-
rungsart völlig zu verwerfen ist; denn erstens, findet
jene Uebereinstimraung der genannten Perioden mit
denen der Himmelskörper, wie ich später zeigen werde,
durchaus nicht in dem Grade statt ; zweitens ist sie, wenn
wir auch annehmen, dafs die verschiedenen in den orga-
nischen Körpern sich findenden Perioden, in den Him-
melskörpern, nämlich in der Sonne, Erde und dem
Monde ihren Grund haben, durchaus noch nicht hin-
reichend erklärt. Allen Körpern, sowohl den organi-
schen, als den himmlischen liegt ein und dasselbe Prinzip
zu Grunde, und zwar geschiehet alles nach geometri-
schen Gesetzen, wie der grofse Kepler sagt.
Es giebt aber kein absolutes Leben des Individuums,
sondern alles Leben des Einzelnen ist beschränkt, alle
Reaction desselben gegen ungleichförmige Einwirkung
der Aufsenwelt, sind nur innerhalb gewisser Schranken
gleichförmig. Das lebende Individuum ist abhängig
von der Art, die Art vom Geschlecht, diese von der
ganzen lebenden Natur, die Letztere vom Organismus
der Erde. Das Individuum besitzt zwar eigenthiunliches
Leben, aber eben weil das Leben beschränkt ist, macht
es ein Organ im allgemeinen Organismus aus; jeder
lebende Körper bestehet. durch das Universum, aber
auch das Universum gegenseitig durch ihn, so dafs ein
höherer Verstand, aus der gegebenen Organisation eines
einzelnen Individuums, die ganze übrige Welt abzu-
leiten im Stande sey. *)
*) S. Treviranti*, Biologie, Thcil III. Seite