Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
Göll »nsl.r Neumonde und JahrSzeiten, nn-nn wir uns nur mit dm Lippen zu
ihm nahen? Je>. l, l). 14. Matth, l;, 8. Das Reich Goites kömmt nicht mir
äußerlichen Gebehrdcn, sondern es ist inwendig in uns. tuk. 17, 20. 21. Nur
wenn wir uns des Herrn freuen, und dadurch besser werden, das ist sein Wohl-
ßcjuun.
O wenn es also wäre und würde! Wie würde ich den Gedanken segnen, euch
für heute hieher zu rufen, wenn ihr Alle mit göttlicher Freude erfüllt hier erschienen
wäret, und der q-iten Vorsätze voll von hinnen ginget. Frohe Hoffnung beseelet Mich,
ich werde offne Herzen finden, die Freude, die Feyer öffnet sie.
Aber was sollte ich denn wählen zur Betrachtung für diese Stunde, die so
manchen großen Gedanken herbeyführt? Ich leugne es nicht, die Versuchung war
da, ugend einen derselben zu ergreiffen. Ich sähe, auch dies könnte nützen. Aber
ich dachte bald, ihr würdet ohne mich Gelegenheit dazu haben, würdet es von mir
auch kaum erwarten, und endlich überwoq die Vorstellung, daß es am nächsten zu
meiner H.'Uptabsich» führte, wenn wir bey uns selbst stehen blieben.
Der natürlichste Gedanke beym Schluß und Anfang eines beträchtlichen Zeit-
räum?, ist daß wir zurückblicken auf die verfloßnen — und voraussehen auf die künf-
tigen Tage. Heute dasErstere, Morgen, so der Herr will, das Leztere.
Wenn wir auf die Vergangenheit sehen, so ist nichts, das sich uns mehr aufs
dringt, als die Wohlrhaten Gottes: und was ist köstlicher als den Herrn loben! Ihr
habt meinen Text gehört, ihm folgen wir, und so beschäftige uns
das dankbare Andenken an die Vl?ohlrharen des verfloß-
nen Zeitraums: um sie in ihrem vollsten Lichte zu sehen, merken
wir zugleich auf unjer Verhalten dagegen.
Erster Theil.
Die Wohlcharen des verfloßnen Zeitraums.
Wenn ich erst heute — am Uzten Tage des Jubeljahrs, — aufträte, eure
Dankbarkeit aufzufordern: fo würde ich schamroth vor euch stehen; würde auch nicht
wissen, welche von den unzähligen Wohlrhaten Gottes ich euch vorhalten sollte.
Aber ich kann euch an manche Predigt des verfloßnen Jahres erinnern, kann mich
auch auf die gedruckte Predigt vom vorigen Neujahr berufen, wo ich euch durch ein
eignes Blatt auf dieselben aufmerksam machte» Alfo bedarf es nur des Andenkens
an bekannte Dinge.
Erinnert euch denn, Geliebte, der allgemeinsten und größten Wohlthat, daß
wir dies ganze Jahrhundert in dem ungestörten Besitze des göttlichen Worts und
alle«