Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
Hieb davon sagt:') "Man legt Hand an die Felsen und alles was köstlich ist flehet daS
"Auge." Gewiß gehöre» die Werke, welche die Menschen erfanden, um das Wasser zu be»
m»tzen, und die schädliche Krafr des Meers zn brechen, zu den kostbarsten und vonreflichsten.
AnchHiob halle einige Kenntnisse davon, denn er spricht gleich darauf: "Man wehret dem
"Strome des Wassers, und bringet was darinnen ist ans Licht."s) Sehr nahe sind uuS
Exempel dieser Art. Der Bau nnsrer Schiense ist ein Werk von Menschenhänden, und wer
kanns ansehen, ohne die Gaben zu bewundern, welche Gott uns verlieh?
«Z. Wem gebührt denn die Ehre des Bauens sowohl als des Erhaltens? Diese Frage
beantwortet sich leicht, wenn wir die Wahrheit jener Aussprüche erkennen: "Wenn Göll
"zerbricht, so hilft kein Danen, wenn er das Meer auslässei, so kehret es das Land um: bey
"ihm ist Weisheit und Gewalt, Raih und Verstand.3) Er derHerr lehret dieMenscheu was
"sie wissen.*) Sein. Befehl ist es, den der Sturmwind ausrichtet.') Wen» er gebeut, so
"muß der Windwirbel dieDämme zerreissen und umkommen alle, die sie baueten. 6) Wenn
"er seine- schützende Hand nicht reicht, lo wird Sturm und Strem unserer festesten Werkt
"spotten und nnsern Schirm wegschwemmen.^)
Darum preisen wir seine Macht nnd Weisheit. "Wer ist wie du ein mächtiger Got» ?"')
Darum ermuntern wir uns. Hohe und Niedrige: "Bringet her demHerrn ihr Gewaltigen,
"bringet her demHerrn Ehre nnd Stärke, betet ihm an im heiligen Schmuck: die Stimme
"des Herrn gehet auf den Wassern, der Gott der Ehren donnert, der Herr auf großen Was»
"fern,"9) nnd wer Gottes Werke nnd Wunder im Meer erfahre» hat, hätte er auch mir ein
kleines Wörtlein davon vernommen, l°) der erinnere sich an seine große Pflicht, dem Herrn
zu danken um seine Güte und um seiue Wunder, die er an den Menschenkindern thut, Er, der
größer ist als daö Meer, ja als Himmel und Erde.
Zweyter Theil.
Bewunderung nnd Dankbarkeit, meine Theuersten, sind allerdings Empfindungen,
welche diese Betrachtung wirken kann nnd wirken muß, und, recht verstanden, enthalten sie
alles, was ich für Sie nnd mich wünschen darf.
A. Bewunderung der Macht und Weisheit Gottes — wer, der nicht am Verstände
verwahrloset ist, kam, sich ihrer enthalten? Welcher Stumpfsinn, eines Menschen höchst um
würdig, miilen nnler den Wundern der Macht und Weisheit zu wandeln, ohne von ihnen
gerühret jn werden. Ferne sey er von uns!
Aber laßt uns als Christen erstaunen: der Gott, der so erhaben ist, hat sich unser so
gnädig in Christo angenommen, daß alle Wohlthaien, woran die Natnr so reich ist, dagegen
wie nichts zn achten sind. Und der Abglanz seiner Herrlichkeit, der das Meer in Dnnkel wie
in Windel» wickelt, hat seine allmächtigen Arme, womit er den Himmel nmfaßt, wie ein
schwaches Menschenkind in Windeln einwickeln lassen. Sagen wir nur Recht, bei) Betracht
tu»g seiner Naturgaben: "Was ist derMensch, daß du sein gedenkest!"'') wie viel gerecht
»er erstaunen wir, wenn wir das Heil in Christo erwegen! Und ist der Abstand zwischen dein
Staube
») Hiob 28, 9-10. 4) Hiob28, Ii. 3) Hieb ll, 14. 4) ps. 94,10. ») Pf. 14z,
7- 8- 6) H«f. «3» n »J3« 0 «• ') »8,1?. ') Ps. *9i»- 3«»«. ' °) Hi»b
»6, 10. ") ps. 8.5.