Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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sichf, den Menschen seiner Ohnmacht und Unwissenheit zu erinnern, damit er nicht vergesse,
jn seinem großen Schaden vergesse, in wessen Händen Himmel und Erde stehen. Unser
Text, welcher vorzüglich vom Meere handelt, zielt eben dahin, und dienet nach unsrer heuti-
gen Absicht ju der doppelten heilsamen Erinnerung:
1. daß wir denjenigen erkennen, welchem unser ganzer Dank gebührt;
2. daß wir uns zu solchen Gesinnungen erwecken, welche dies Andenken wirke«
kann.
Erster Theil.
A. Der göttliche Ausspruch führt uns zunächst aus die Schöpfung unserer Erde ziu
rück, unter deren Theilen das Meer einer der Betrachtungswürdigsteu ist, um die Macht
und Weisheit des Schöpfers daran zu erkennen.
a. Was hier heißt, Gott hat das Meer mit seinen Thüreu verschlossen, er hat ihm
seinen Lauf gebrochen, ihm Riegel und Thür« gesetzt und gesagt: bis hieher sollst du kommen
und nicht weiter:c., das heißt in der Schöpfungsgeschichte nach Mosis Erzählung: Gott
sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern und es sammle sich das Wasser an beson.'
dere Oerter, daß man das Trockene sehe.') Es ist nicht allein der Schrift gemäß, *) sondern
fliid) dieMeinuiig der größten Naturforscher und Wrltweisen, selbst der neuesten unter ihnen,
daß vor der Ausbildung einzelner Theile der Erde, alle Materien, die jetzt in so vielen und
mancherlei) Cöipern vertheilt sind, in Eins vermischt gewesen seyn. Dies wäre denn ver-
miiihllch jene Tiefe, worauf der Geist Gottes geschwebet und ans weicher nach und nach die
fest,» Tbeile von den flüssigen sich geschiede» habe». Daher heißt unser Gott, der durch sein
aUmächliges Scböpferworr: csrvcrde! alle diese Veränderungen bewirkte, der Schöpfer,
welcher Himmel, Erde und Meer und alles was darinnen ist, geschassen hat.3)
b. Sollte das Meer die Absicht des Schöpfers erreichen, so mußte es seinen ange»
wiesen»» Ort haben, ohne welchen es wegen seiner Flüssigkeit die Erde überschwemmen
könnte; welches desto mehr *» befürchten wäre, da die Erde sich mit einer unbeschreiblichen *)
Geschwindigkeit um sich selbst herumwälzt. Um deswillen hat der Herr dem Wellmeer sei»
Bette gegraben, das ist, ihm seine Stelle und seine Grenzen angewiesen, oder wie die Schrift
spricht: die Tiefe mit feinem Ziel verfasset.J) Zu gleicher Absicht dienet die Schwere deS
Wassers, wodurch es ihm unmöglich wird, ohne fremde Gewalt gegen eine Höhe anznlan»
fen, daher ein mäßiges Ufer hinreicht, es zur Zeit der Ruhe einzuschränken. Auch dienet ver-
mnihlich die Lage der Gebirge, die beständigen Winde in gewissen Gegenden und andere An,
stallen m der Natur zu einem ähnlichen Zwecke.
Davon umständlicher zu reden verwehrt mir der Gedanke, daß dieses zum Theil Ihnen
längst bekannt ist, zum Theil bey Viele» noch in Zweifel sieht. Zweckmäßiger wäre es wohl,
von deu Wohlthaten, die wir durch das Meer erhalten, zu reden: allein ich darf mich in die-
fem Betracht sowol anfeines Jeden Erkenntniß und Erfahrung — als auf die Rede meines
sel.Herrn Verwesers,Ä) welche vor 20Jahre», bey der Einweihung jener größer,, Schleuse
gehalten und noch in den meisten Händen ist, berufen. Kurz finden wir davon das Merkwür»
digste O i.Mss. 1,6.7.9 »o. *) 2. Peer. 3,5. Z) pf. 146, 6.
♦) Von 2.J Meilen in einer Minure.
5) Sprüchw. 8, 2.7.
*) Des Herrn (onsistorialraths Kirchhof.