Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
N 55
Rede
zur
Einweihung der kleineren Rhin * Schleuse
im September 1793.
r ein Verehrer Gottes ist, der erkennet es für das würdigste und angenehmste Geschäft,
über die Macht »ud Weisheit seilies gütigen Schöpfers und Herrn nachzudenken. Auf diese
Wahrheit, nach Stand und Würden höchst- und hochzuverehreude Versammlung, gründe ich
das Vertrauen, mit welchem ich mir Ihre Aufmerksamkeit für einige Augenblicke, die solchen
Betrachtungen gewidmet sind, erbitte. Die Absicht unsrer heutigen Versammlung ist bekannt.
Die Aufseher dieses nun dem Hauptwerke nach vollendeten Wasserbaues haben ihre Pflicht
erkannt, für sich und im Namen ihrer Commune» dem gütigen Gott öffentlich z» danken und
ihn, der bisher so gnadig gewesen ist, um seinen ferner« Schutz und Segen anzuflehen. Sie
haben uns alle als Christen, als Edeldenkende, aufgefordert, daran Theil zu nehmen. Sie
haben mir aufgetragen, die gemeinschaftliche Andacht z» leiten, und im Namen Aller unser»
Dank und misreWünsche öffentlich auSjusprechen. Wie könnte ich irren, wen» ick von Ihren
Einsichten nnd Herzen erwarte, daß Sie gerne mit mir dieser Anffordernng folgen? Selbst
die, welche kein höheres Gesetz, als das Gebot der Menschenliebe erkennen, werden an unserer
Freude so vielen Ancheil nehmen.
Wie aber preisen wir Gott würdiger, und wodnrch erlangt unser gemeinschaftliches
Gebet mehr Innigkeit und Freudigkeit, als durch das lebhafte Andenken an die hohen Voll-
kommenheiten Gottes, denen wu' alles zu danken haben? Ilm unsrer heutigen Absicht mög-
lichst nahe zu bleiben, wollen wir uns darauf einschränken, die Grösse, Macht und Weisheit
unsers guten Gottes in Ansehung desjenigen Elements, gegen dessen Mächen dieses Werk
anfgeführet wird, zu erwägen. Am liebsten ist es mir, und hoffentlich auch Ihnen, theuerste
Zuhörer, die Anleitung dazu aus dem Worte Gottes zu nehmen. Die Kürze der Zeit, welche
mir zur Vorbereitung gegeben ist, hat mir zwar nicht die größte Auswahl erlaubt; aber ich
werde auch wol keiner Entschuldigung bedürfen, wenn ich meiner Vorstellung jene bekannte
Stelle des Bnchs Hieb Kap.z8, 8 — " unterlege, wo der Herr unser Gott selbst also redend
«iiigeführel wird:
"N?erhardae ^Ncer mit feinen (Thüren verschlösse» da es heraus-
"brach, rvie aus fcTTutterleibe; da ichs mit EDolftn Findete und in
"Dunkel einrvickelt« rvie in Windeln; da ich ihm den La»f brach mit
"meinem Damm und styre ihn» Siegel und Thür und sprach: Bis
"hicher sollst du kommen und nicht rvcirer; hier sollen sich icgen
"deine stolzen Vl?ellcu5"
Das Buch Hiob gehört ohne Zweifel zu denfenigen Büchern der Schrift, welche die
meisten und erhabensten Stellen über die Größe nnd Herrlichkeit Gottes in den Reichen der
Natur enthalten. Auch dies Kapitel ist vvrjüglich von dem Inhal», mit der besonder,, Rück
ficht.