Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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Und Viele sind unter uns, welche die heutige Handlung näher angeht. Väter und Mütter
und Vormünder und Lehrer dieser jungen Christen, was wir sind, denken wir nicht an nnsre
Pflichten gegen diese nnsre Zöglinge? Haben wir sie alle erfüllt? Haben wir uns keine Be»
schwerde, keine Bequemlichkeit, kein Vergnüge» daran hindern lassen? Hat es nie gefehlt an
treuem Unterricht, an liebreicher und ernstlicher Ermahnung, an der Fürbitte nnd am Bei»
spiel? Wie leicht ist hierin etwas versehen? und wie traurig sind die Folgen? Muß die En
innernng daran uns nicht wichtig und heilsam seyn? O vielleicht wären die heutigen Com
firmanden besser als sie sind, wenn wir das Unsrige gethan hätten! Vielleicht wünschen sie in
dem feyerlichsten Augenblicke ihrer Gelübde mit Seufzer» nndThränen,daß wir treuer unsren
Pflichten nachgekommen wären.'
/ Nicht so nahe, aber doch immer nahe genng ist derAntheil Vieler in dieserVersamnu
lnng, welche als Nachbaren, als Freunde, als Gespielen dazu beytragen konnten, daß die
Katechumeneu ihre Schulzeit, ihre Confirmationszeit besser anwendeien. Ist es nicht nölhige
Erinnerung — heilsame Erinnerung für solche, wen» sie vielleicht durch Unvorsichtigkeit im
Wandel oder im Reden Schuld daran waren, daß diese wichtige Handlung derJngend wen»
ger nützlich, wo nicht gar nachteilig wird. O wenn dieser oder jeuer sich bewußt wäre,
irgend emS dieser Kinder verführt zu habe»!
Anwendung.
O darum bitte und beschwöre ich euch Me, daß ihr eurer Sünden gedenket.
Geliebt« Kinder, denket an eure Versäumnisse, an euren U"steiß, an eure Unarten,
euren Ungehorsam. — Vieles lag doch an euch, besonders seitdem ener Nachdenken erwach« ist.
Ihr Alle, die ihr wie ich verpflichtet wäret, sür das Heil dieser Kinder zu wachen, zn
streben, zu betcn, empfindet mu Schmerzen, was ihr Unrecht lhatet, es sey Begehnngs- oder
Unterlassungssünde.
Ja, laßr uns vereint gedenken, laßt uns beweinen, was wir verschuldet haben, laßt
Uns reuevoll zum Herrn flehen, daß er sich nnser erbarme.
Barmherziger Gott und Vater, laß es dir in Gnaden gefallen, daß wir dir unser
Unrecht bekenne», wie du geboten hast, nnd vergieb uns «in Christ) willen. Wir nnd
unsre Kmder erkennen vor dir nnser Unrecht mit inniger Beschämung, wir sind von den
„en Geboten und Rechten gewichen, wir haben vieles vieles versäumt, was löblich nnd
pflicdtn'.iißig war, haben vieles begangen, was uns reuen muß. Du hast nns tagegelt
so viel Gntes gethan, hast uns Leben nnd Gesnndbeit erhalten, hast uns Verstand nnd
Kräfte und Gelegenheiten und Hülfsmittel zum Guten verlieb», nnd »ocb waliet deine
Gnade über uns, noch sind deine Liebesbände zu uns, dem abtrünnigen Volk, ansge»
streckt. O laß nns sie endlich ergreissen, nnd fest halten, nnd n>e wieder von dir weichen.
Deine Gnade ist unser Leben, laß nns sie redlich suchen — und finden. Die Sünde ist
unser Verderben -- ach entreiß nns derselben auf immer.
Laß nnsre geliebten Söhne und Töchter, welche beute ihren Bund mit dir enien»
er», mit wahrer Andacht, mit redlicher Seele, mit herzlicher Rene, mit inniger Heils»
begierde vor dir erscheinen, nnd nns, wenn wir ihre Gelübde hören, ach nns laß dann
auch von ganzen Herzen deines Bundes gedenken, und voll heiligen Cr»stes dir aufs
neue Glauben und Gehorsam geloben.
Und