Title:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Persons:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
Um ihr Jklckdenkeu zu schärfen, ihre Andacht zn beleben, ihre Dallkbarbeit zn «nfe
siomme», — was Dient dazu mehr a!s dasZlndenke», daß sie der Gnade nicht wehrt sind, die
ihnen heul« wiederfährt? Um ihre Neu« ernstlich zu machen, ihr Verlangen „ach Gvltes
Gnade 4« erwecken, zu stärken, was ist wirksamer dazu als die Vorstellung, daß sie schon
manches Unrecht »haken, manches Gut« versäumten? Um ihre Gelübd« r«d!ich abzulegen,
ihre Vorsätze zu befestige», was könnte mau ihnen nachdrücklicheres vorhält«» als die Süu>
den ihres bisherige» Lebens? Und Jenes ist es doch, was »« von ihnen verlangen und hof-
fe», was wir für sie von Gott erbitten.
Eben so heilsam aber ist «s für uns all«, sofern wir Zeugen dieser Bundeshandlmtg
stlid. Ist es nicht der Wunsch nnd dieHossnung aller Frommen? Erbitte ich, erbitten meine
lheuren Amrsg«hülfen, die hier gegenwärtig sind, es nicht ganz vorzüglich für unsere lieben
Zuhörer, daß sie bey dieser Confirmativn an die feyerliche Stunde denken, da sie ihren Bund
erneuerten, und um sie her die Gemeine der Christen, ihre Sieker» und Geschwister und
Freunde und Lehrer als Zeugen ihrer Zusagen versammlet waren? Sollte dies nicht auch der
Wille Gottes fey,>? Und dies ihnen desto rührender zn machen, was könnte dazu zweckmüßi
flft seyu, als die Erinnerung au ihre vorher und seither begangene Sünden? Zwar wird der
Fromme mit demüchiqer Freude sich dessen bewußt seyn, daß er seinen Bund gehalten habe;
aber werden ihm seine Schwachheiten nicht auch zur nützliche» Erinnerung dienen? Und wer
sich des schlimmeren bewußt ist, wie heilsam beschämend wirds für ihn fep», in seinem Her»
je» z» sprechen:
"wie war dem Herz so wenig mit deinem Muude, als du da standst, und dein heiliges
"Gelübde aussprachst, obschen deine Aelier» und Lehrer ee nicht an den herzlichsten
"Ermahnungen halten fehl«» lassen! Welche Schuld dn'icket dich, welche Strafe
"wartet deiner! "
tzder:
"Wie aufrichtig war damals dein Herz! wie treu meynteft du es mit deinem Gott^
"und doch wichst du von seinem heiligen Blinde, gewannst die Welt uuvSünde wie»
"der lieb! Nur Ein Jahr, oder nur weniae Jahre sind seitdem Verstösse», u»o doch
"bist du schon »nitre» geworden, da du auf lebenslang dich verpflichtetest! Wie nti>
"recht hast du gegen Gott, wie unrecht an dir selbst gehandelt!"
»der:
"Schon soviel (iO, 20, zo, 40) Jahre find dahin, und doch verharrst du noch im
"Unrecht! So manche Erinnerung, so manche schlimme Folge deiner Bnndbrüchig»
"keit, so manche Wohlihat Gottes hat dich noch nicht Mückbnngen (innen l Solls
" den» nicht Einmal für dich heißen:
"Endlich mnß ich mich entschiessen>
"Aengstlich forderls mein Gewissen
"Wieviel Jahre sind mir schon,
"Ungenntzt zum Heil, enlfioh'n?
"Will ich noch das Ziel ereilen,
"Darf ich länger nicht verweilen.
"Immer kürzer wird die Zeit,
"Näher kömmt die Ewigkeit." .