Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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Zuerst sehen «vir, wie heilsam es im Allgemeinen sey; und dann, wie nützlich es bv
sonders für de»» Confirmano»sI.
Was eine» jeden Christen zum Preise Gotles, jnr nöthigen Bengnng, und zur ernstliche»
Besserung dienet, das muß man wol allgemein — heilsam nenne».
Gottes Gnade ists,daß wir nicht aar ans find. Dieser Gedanke eines srommm Israeli,
ten ist Stich wol der eines jede» wahren Christen. Wer eö je bedacht hat, wie wenig wn- oft
„ach Gottes Willen handeln, da wir Gnies j» thnn so viele Fähigkeit »nd Gelegenheit und
Aufforderung Kaden, der wird die LangMulh Gottes bewundern, die den Menschen, welcher
den einen Theil seines Lebens in jugendlicher Unbesonnenheit, den andern in überlegte» Tbor»
heile», und den drillen, wenn es g»r ist, mir Bereuung lind Verbesserung seiner srühern Fehl!
trilie zubringt,— den Manschen, welchem das Gute so schwer, das Böse so leicht wird, dennoch
so viele Jahre mit Geduld lrägl, uud nach langem Verziehen erst das Urlheil: Havel den um
fruchtbare» Baum ad, waS hindert er das Land? ausspricht, die mich selbst, während der
3«f der menschliche» Verirruugeii,statt der verdiente» Strafen dem Unwürdige« unzählbare
Wodlthate» erzeiar; ja, was »och niehr ist, den, Sünder, obschon er es nicht begehrt, nicht
«nnilnmt, wol aar lästert, jahrelang Gnade, Vergebung nnd Seligkeil anliagen läßl, ihn,
wenn er stch zurBesseruua eu.schliestt,begnadigt, ihm zumGutenBeistand leistet, seine Seele
beruhigt, ihm Weisheit des Lebens, Trost im Leiden minheilt. Wie groß wird uns diese
Gnade, wen» wir bedenke», wie widerspenstig, wie lau, wie schwach, wie waiikelmüihig,
wi« undankbar wir stnd.
Nichts lst dem Mensche» »öthiger als heilsame Beuauna seines trotzigen nnd Hochs
Mi^h'ge» Herze»s. Wer sie besitzt, der ist der Gnade Goaes fähig, March. 5,3. i.Peir. 5,
15, dnu wiid jedes Leide», jede Tugend leichter, der wird dankbarer, gefälliger, verträglicher
'feiMi, als er »l»,esie wäre. Und was macht n»s kleiner 1» »lisern Auge», als die Sünde?
Be» jedem Unglück, das uns trist, bey jeder Wohllhal, die uns widerfährt, denke» wir an
misre Sünde», Thorheilen, Schwachheile«, und die Voistdinnß derselbe» hält »»si e Seele
»ni Gleichgewicht, zwischen Erhebung »»srer selbst, und zwischen der Verzagtheit, zwischen
Leichtsinn und Schwer«,»ih. Der Gedanke, wen» alle Mensche», die dich e!>ren und lieben,
die dich verachte» »»d hassen, deine Schwäche» wüßte», erhäll u»tf i» der Demulh, und be»
wahrt »ns vor Trotz und Murren. Ja ist wol etwas, das uns mehr aulreibc, Gnade bcy
Gort z» suchen, sie, wenn sie uns zu Tl>nl wird, zu schätzen, zu preisen, zu bewahren? Und
endlich, was uiachl uns williger, emschlosseiier, ernstlicher, standhasler in der Besserung um
fers Herzens, als das Andenke» nnsrer Sünde. Je mehr wir Unrechl thaten, desto weniger
dürfen wir noch anstehen, desto weniger dürfen wir nnsre Schuld vergrößern. Je mehr wir
uiisre Schwachheit erfuhren, desto sorgfältiger müsse» wir min sey», daß sie uns mchl wieder
übereile.
Wie nützlich ist also dieses Andenken für Alle, und zu allen Zeilen? Aber können wir
Nicht eben so gewiß behaupten, daß dies Andenken
besonders am Confirmanottscage
sehr heilsam sey?
Lagt uns zuerst der Coilfirmanden erwähnen. Sie sind es ja, UM derer willen der
« . . • /T» . .. . Jk.'___il .......4. .
II.
heutige Gottesdienst angeordnet ist.
Um