Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
da sie ihre Lieblinge, die sie mit Sorgfalt, vielleicht mit Kummer erzogen, nun so weit ge,
bracht sehe» — t.nö was die Lehrer, denen die Aelter» einen großen Anlheil an ihrer Fi ende
gaben,1ndem sie ihre Kinder ihrer Unterweisung anvertrauten, wen» beyde nun sage» können:
wir sehen unsreErwartungen erfüllt, unsre Mühe nnd Kosten uiiausspiechlich belohn«: diese
Uiisre Zöglinge sind das geworden, was wir wünschten und beteten, sie werden zu sehen —
das wozu wir sie nach unfern Vermögen unter Gottes Segen erzogen — tüchtig znm Dienste
der Welt, gebildet für den Dienst Gottes, geschickt uns Ehre nnd Freude zu mache» hier und
dort. _
Aber sollte wol irgend ei» Frommer dies nicht mit uns empfinden? Außer dem An»
theil, den Liebe und Gottesfurcht ihn daran nehmen läßt, wird er sich des feyerliche» TageS
erinnern, an welchem er fein Gelübde ablegte, wird das Guie, was er seitdem genoß, mit
dankbarem Herzen erwägen, nnd für die Zukunft ans dem, was diesen Confirmanden von Gott
tes wegen versprochen wird, erneuerte verstärkte Hoffnung schöpfen, weil auch ihm einst das,
selbige versprochen ward.
Wie groß, wie allgemein wäre denn die heutige Freude! Aber warum ist es nicht so?
Warum ist so mancher freudenleer, so mancher niedergeschlagen? Sollten wir dies nicht
wissen, jenes allgemeine Nebel nicht kennen? Wer nur irgend unterrichtet ist, nur irgend
nachdenkt, wird mit uns sagen: ee> ist die Sonde. Ja sie, welche Adam ans dem Paradiese
trieb, sie, welche. dieErde mit dem ersten Blute, mit Bruderblutt befleckte, und seitdem millio,
nenmal mit Bruder- und Vaterblnie benetzte»» sie welche die erste Welt und Sodom zerstörte —
sie welche den Sohn Gottes ans Kreuz brachte — sie die Gott und Menschen scheidet, die
wider uns antwortet, wenn wir beien — sie die uns mit Schmerzen in die Vergangenheit,
mir Furcht i» die Zukunft blicke» macht —sie störet auch unsre heutige Frende. Wenn sie nicht
wäre: so würde die Herzen der Kinder, der Aeltern und Lehrer, ja der ganze» Gemeine g«
meinschaflUche Wonne erfüllen.
Wie gern weudete ich meinAuge,wie gern dasEurige,meine DrnderundSchwestern,
Meine Kinder und Väter, von diesem betrübenden Gegenstände ab! Aber die Gefahr ist zu
groß, der Schade zn allgemein, um unbemerkt zu bleiben, nnd kann ich wünschen, daß sie eS
bleiben möchten? Wer sie nichr bemerkt, dessen Gefahr ist nnr desto größer, also die Augen dar
für zu öffnen ist Wohl'hat, ist Pflicht für jeden Freund der Wahrheit und des Gute» — und
für wen denn mehr, als für den Lehrer — für mich! Daher bitte ich euch, um eures eigene»
Wohls willen, gedenket des Uebels, gedenket der Sünde. Jederzeit, anch heute ist das Andels
ken nöthig — und laßt michs sag«»: Gill kann Arznei) werden, so kann auch dieses heilsame
Folgen haben.
Davon reden wir heute nach Anleitung der Worte
Daniels Kap. 9, 4. 5.7» 8.
Ich lieber Herr, du großer und schrecklicher Gorr, der du Bund und Gnade
hältst dcne.,, die dich lieben und deine Gebc^e halten. OPir hsben gcsündigct
und unrecht gc.'hun, sind gortios gcrvesen und abtrünnig gervordcn; trt'r sind
von dcinei' Geboren und Rechten gcrvlchen. — Du 6crr bist gerecht, voir aber
müssen une schamci» — dsß rvir uns an dir versündiget haben.
und erwägen:
das heilsame Andenken unjrer Sünden am . 3>»erß