Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
Möge nur jedes Herz von dem Throne bis in die Hütten immer gorresfürchtiger,
reÄ)rschassener l»nd tugendhafter werden! Könnten wir die Undankbarkeit gegen
den großen Wunderthärer so weil treiben, daß wir nicht qerne redeten von seinen
herrlichen Thaeen und erzahleren feine Herrlicböeir, damit Z5.indes^inder
neeb ftine Vierte preisen, und von seiner Gewalt sagen? Aber was ist
alles tobpreisen, wenn es nicht zu einem gebesserten Sinn und Wandel erweckt? Was
Hilsts, der vorigen Jahre gedenken, und in die Wunder der verstoßenen Zeiten zurück-
schauen, wenn wir nicht unser zeitheriges Betragen dagegen halten; mit den Lippen
ihn rühmen, und nicht durch Thaten seines Wohlgefallens ihn verherrlichen? Auf
denn, Dänemarks Volk, auf denn, Glückstadts Bürger, auf denn, ihrBegnadigten
Gottes, laßt uns in Bekenntnissen und Emschliessunqcn, die dieser erhabenen Fest-
feyer würdig sind, wetteifern! Laßt uns wehmüthig ihm gestehen, wie unwürdig wir
bisher seiner Segnungen gewesen sind, wie oft wir seine Kräfte und Gaben gemiß»
braucht, wie wenig wir durch sein unermüdetesWohlchun uns zu reiner Tugend, zu
einem himmlischen Sinn und Wandel haben erwecken lassen. Wie oft ist uns Chri«
stus und sein Heil gepredigt; wie ernstlich ist uns zugerufen: "tassereuch versöhnen
" mit Gott;" wie väterlich hat uns Gott von Jugend auf durchEikern, Lehrer, Freunde,
durch dieStimme seiner Boren, durch tausend Stimmen in derNamr, durch Schick-
sale aller Art gelockt, "gib mir, mein Sohn, dein Herz;" wie manches Samenkorn
des Guten ausgestreut: und — wo sind denn die Früchte davon? Laßt es uns doch
bekennen:') Herr, wir haben qesündiget und Unrecht gethan, wir gehorchten nicht
deinen Knechten, die in deinem Namen predigten; ja, Herr,wir, unsere Könige, unsere
Großen, und unsere Väter, müssen uns schämen, daß wir uns an dir versündiget
haben. Aber nun trete auch ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi
nennet. Das scheidende Jahrhundert nehme mir sich den frevelnden Uebermuih der
Zeit, und Wollust, und Geiz, und Lieblosigkeit, und Rache! Mir der neuen Reihe
der Zeiten trete auf, und durchdringe unser Herz, und schmücke unser neues Leben
ein Sinn Christi, ein Geist der Liebe, der Rechtschaffenheit, der willigen Verleug»
nung, da wo Pflicht gebeut, der Achtung gegen Religion und Gottesdienst, der
Treue gegen Staat und König. Wäre doch überall, wo man Christi Name«
nennt, und nach seiner Geburt Jahre und Jahrhunderte zählt, wäre auch in unse-
rer Mitte jedes Herz dieser Entschliessunqen voll! Wie würde in solchem Herzen,
als in dem einzig fruchtbaren Boden, die Hofnung zu Gott gedeihen, die süße Hofs
nung, Gott werde um Christi willen und durch Christum und sein Rnch uns ferner
beglücken, ewig beglücken, über Kinder und Kindeskinder, über Enkel und Urenkel
feine Gnade walten lassen! "Denn denen, die mich lieben, spricht er, und meine
"Gebote hallen, thuc ich wohl bis ins tausendste Glied."
Bcy
') Dan. 9, '5- 8-