Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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Gute, was feine Vaterhand gab, so vielen Segen an Seel und Leib, an Ehr und Gut,
an Frieden und Lebensgenuß, den wir jetzt in das neue Jahrhundert mit hinüberneh-
wen, verdient? Was wollten wir verdient haben? Ach, die Güte des Herrn ist
es, d^ß wir nichr gar aus sind, und seine Barmherzigkeit hat während dieser
ganzen Zeitdauer nie ein Ei^de genommen, sondern sie ist alle Jahr, ja alle Morgen
neu geworden. l) Welche Aufmunterung für UNS, auch in und für diese Nkuanfangene
Zeit Gott durch Vertrauen und Gehorsam zu verherrlichend
Zweyter Theil.
Gorr, dein Rcic!? ist ein ewiges Reich , deine Herrstbafr wahret
ron Geschlechtern zu (8esct)lcchrcrtt. Wie sollten wir nicht unter einem solchen
Regent«»,- dessen Macht und Weisheit und väterliche Aufsicht jedem Wechsel der
Zeiten trotzet, vertrauensvoll in die neuen Reihen der Jahre hinausblieken? Laßt uns
tiefen Dank ihm zollen, ihm die schuldigste aller Daukerweisungen, das freudigste
Vertrauen, zollen. Wann könnten wir dringender uns dazu aufgefordert fühlen,
als an einem Tage, wie der heutige ist, und aufcinemStandpunete,wo wir nicht ein,
»ucht zehen, sondern hundert Jahre überschauen, die mit außerordentlichen Wohltha«
len der Herr bezeichnet hat? Hier muß alle Beforgniß wegen der Zukunft schweigen,
hier muß selbst die Empfindung gegenwärtiger Leiden und manches Druckes der Zeit»
umstände, wovon "»-he f»^t>lbarer THeil fid) bis
zu uns verbreitet hat,vermindert werden. A^nqstende Gedanken können nur meinem
Herzen aufsteigen, da« nicht mit Assaph gedenkt an dieTharen des Herrn, nicht
gedenke an die vorig. n5Vunder,nocb redet von allen seinen ^Werten lind
von allem seinem Thun. Wer mit diesem frommen Sänger betet: TQOo ist solch
eilt mächtiger Gott als du bist? Du bist ein Gore, der XVtindee thuc: wie
möchte der zweifeln, daß Gott auch ferner Wunder thun, und erretten, helfen und
segnen könne, mehr als wir denken oder erwarten dürfen? Zwar sind wir mchtwm(j>
so großer Wohlthaten, vielmehr fordern unsere mannichfachcn Uebertretungen die
Rache des göttlichen Gesetzes; aber haben wir nicht ein Evangelium, das uns Grund
und Auskunft über die Gerechtigkeit unserer Hofnungen gibt, damit wir weder leicht-
sinnig den Reichthum der vorigen Zeiten blos als glückliche Zufälle betrachten, noch
verzweifelnd uns zu einem desto schrecklicheren Mangel aufgespart wähnen? Preist
nicht schon unser Text den gnädigen und barmherzigen Herrn, der geduldig
lind von großer Treue ist? Und wissen wir nicht, was dieZeiten des neuen Buö
des uns durch die Erscheinung des Sohnes Gottes für Heil gebracht haben?
Was zagen wir denn? Möge nur unser Herz sich zu ihm bekehren und den
Reichthum feiner Geduld, Güte und Langmüthigkeit nicht zur Sünde mißbrauchen!
Möge
') Klagl.z, 32,?}.