Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
allgemeinen Ordnung, Ruhe und Glückseligkeit angewendet haben. Vier Könige
haben während dieses Jahrhunderts über unsere Länder regiert, alle unumschränkt
von Macht wie keiner ihres gleichen, aber keiner hat sie gemißbrauchr, ein Tyrann
und Peiniger seiner Völker zu werden; alle sind sie Beherrscher gewesen, die sich
erinnerten, daß sie den König aller Könige, den Herrn aller Herren, zum Gesetzgeber
»nd Herrn über sich hätten, alle Vater des Vaterlandes, die ihreRegt-rungen durch
Elfer für die allgemeine Wohlfahrt, wie durch Leutseligkeit, SanftMUth und Gnade
ausgezeichnet haben. Wo ist eine Nation, die sich so gvltesfürchtiger, gerechter, -
liebreicher Könige rühmen kann, deren herrschende Absichten bey ihren Unternehmun«
gen, Gesetzen^ und Anjialten mhr Gottes als ihre eigne Ehre, mehr das mnere
Wohl ihrer Staaten, als ein eitler Ruhm ihrer eigenen Größe oder der Größe ihres
Volkes gewesen wäre? Wer zählt die nützlichen Anstalten, die unsere vortrestiche
Regierung während jenes langen Zeitraums für alle Zweige des öffentlichen Wohls
bald selbst gemacht, bald begünstiget, und durch ihren Arm, durch ihre Weisheit,
turch ihrExempel, durch Geldbeiträge befördert hat? Wer rechnet die Einrichtung
gen auf, die zur Ausbreitung der Religiosität und Sittlichkeit, zur Herstellung ver-
«achläßigter Menschenrechte, zur Aufnahme der Wissenschaften, zur Erhöhung veS
KunstflcisseS und des ?lckerbaues, zur Erweiterung der Handlung und Schiffahrt
getroffen hat? Wem gebührt nebst ihnen uNd ihren edlen Rarhen der Dank dafür»
als Gott? Wessen Gnade haben wir dafiir ja preisen ? Dassen Gnade, der den Ver«
händigen ihren Verstand, und den Weisen ihre Weisheit giedt, der die Herzen der
Könige lenkt, wie die Wasserbäche; die Gnade des Königes aller Könige und des
Herrn aller Herren. Ja, cs sollen dir danken, v^crt, alle deine Werte, und
deine heiligen diel? loben; und die Ehre deines ^xönigreiches rühmen,
»md von deiner Gewalt reden.
Aber wann würde ich fertig werden, wen» ich alles, was uns Gott durch um
fere guten Friederike und Chrijliane Großes und Gutes während eines ganzen
Jahrhunderts erwiesen, und alles, wodurch seine Vorsehung im Reiche der Natur
ihre Bemühungen begünstiget, und wie uns Gott vorzugsweise vor so manchen am
tern Landern mit Pestilenz undähnlichenScuche'u, mitErdbeben,Viehseuche, Hmu
gersn?lh und anderem Elende entweder ganz verschont, oder nur selten und unter
mancher Erleichterung heimgesucht hat, aufrechnen wollte? Haben gleich manche
Deichbrüche und Ueberschwemmungcn die Marschländer heimgesucht: so sind doch
jetzt die verheerenden Spuren derselben fast überall wieder ausgetilgt, und die vor-
mala verlassenen Höfe des Landmannes sind jetzt Gegenstände des Neides oder der
frommen Mitfr^ude. Linen gleich einzelne Gegenden unter besonderen Plagen, und
noch jetzt das ganze Land unter dem Druck der leider überall verbreiteten Theurung:
ach, wer kann wissen, wie nöthig für unser höheres und ewiges Wohl diese Ruthen
der Strafe oder der Zucht waren und noch sind? Hätte der himmlische Varer nns lieb,
wenn er seine Kinder nur ernährte, nicht züchtigte? Hat denn unsere Unart so vieles
Gute,