Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
Predigt des Herrn Pastor Schröder
am
Nachmittage den ist«» Januar 1801.
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fröhlichem Gemüche dankt, die ihr Christo angehört,
Dankt ihm, daß seine Gute gleich als sein L.eben ewig wahrt,
ttach Hunderten von Jahren, die durch sie alle reich
An frohem Segen waren, bleibt sie sich immer gleich.
^vann endigte ihr Sorgen, ihr Segnen, ihre Treu *
Lvard sie nicht jeden Morgen Jahrhunderte durch neu!
Text:
Ps. 77r 12 — 14 verbunden mit Ps. 1^5, I — ly*
^6 ist heute ein merkwürdiger Tag. Ein neuer Abschnitt der Zeil, und von unge- >
wöhnlicherArt. Da» Jahrhundert, in dessen Grenzen unsere ganze Lebensdauer bisher
beschränkt gewesen ist. ein langer Zeitraum, der während seines Laufes unzählige?
male seine Gestalten änderte, in seinen kleineren Abschnitten immer vorübereilte, aber
immer mit Beharrlichkeit wiederkehrte, ein Zeitraum, in welchem hundertmal der
Herbst die Natur den,Grabesschlummer zuführte, aber auch hundertmal wieder der
Frühling die erstorbene neu b. lebte, das achtzehnte der nach Christi Geburt Verstoss«
n«n Jahrhunderte hat seine Rolle ausgespielt, ist in die große Reihe seiner Borgän«
qer, die auck einst wäre« und nimmer wiederkehren, zurückgetreten, und — u?ir
jfniö überblieben. Wie hocherhaben stehen wir als Menschen über alles, was in
Zeit und Raum ist'. Wir können dem entflohenen Jahrhundert nachsehen, es noch
einmal in seiner Flucht ergreissen und mit unfern, Geiste umfassen. Wir können das
neuausgnretcne begrüßen, und ahndenden Blickes in feine Tiefen hinausschauen.
Well! sprechen wir, ein Jahrhundert deines Daseyns ist dahin, doch was in dir ge-
Nossen, erduldet, vollbracht wurde, davon weissest du nichts; aber der Bewohner
deines Staubes, der Menfchengeist, weiß es, und freuet sich des, oder trauert dar«
über, und denkt deines und feines großen Regierers. Welch ein Wunderwesen ist
der Mensch!
Aber wir ältern doch, und fühlen nur zu unleugbar, daß unfer Leben in dem
allumfassenden Strome des Werdens und Vergehens mit fortkreiset. Nur mit unser«
Gedanken können wir Jahrhunderte und Jahrtausende umfassen. Nicht können wir
das mil unferm Dafeyn. Das kann nur einer, den zu ahnden und zu erkennen, vor
welchen