Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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haßt« wird? wenn er nun, seiner Begnadigung gewiß, die Ruße der Seele findet,
welche er bisher vergeblich suchte? wenn er in sich selbst immer zufriedner, in Anse-
hung seines irdischen Looses immer beruhigter wird, und für sein Loos in jener Welt
nicht mehr fürchten darf? wenn er nun den Beyfall feines Gewissens, aller guten
Menschen, und Gottes hat? wenn ihm nun Ein Sieg nach dem Andern, ein gutes
Werk nach dem Andern gelingt? Selige Hoffnung für uns, dahin zu gelangen!
Sie triegt nicht: denn sie ist auf einem Felsen gegründet. Der Mensch ist nnnGot-
tes Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken. Vergebens ficht ihn die
Sorge dieses Lebens an: ist doch die Hauptsache berichtigt, hat er doch einen gnädi-
gen Gott. Selbst das Andenken seines vorigen Unrechts, selbst das Bewußtseyn der
Unvollkommenheiten, die ihm ankleben, so unangenehm es sey, unterhält nur bey
ihm die göttliche Traurigkeit, deren Niemanden gereuet, weil sie zur Seligkeit wirkt,
2.Kor.7, 10, indem sie ihn wachsamer macht, und bey Gott, bey seinem Heilande
erhält. Wie vervielfältigen sich nun seine Freuden, ohne Nachreue? wie leicht wird
-ihm jedeLast des Lebens? Wie nützlich wird fein Wandel denSeinen und der Well?
Wie selig ist fein Leben, wie selig wird sein Tod?
Auf! auf! meine Theuresten, daß wir dieser Glückseligkeit theilhafti^wer- .
den. Wi? nicht allein, auch unsre Kinder und Kindeokinder haben Theil an diesem
unaussprechliche« Gewinn. Denn nun thut der fromme Vater, die fromme Mutter,
wie jener vertraute Freund Gottes, l.Mos. 18, »8. '9, und hat gleiche Verheißung
mit ihm auf Kind und Kindeskind. Wer diefe aroße Pstichl biober versäumte, übe
sie nun desto rreuer: so wird sein Haus, seys Pallast oder Hütte, ein Haus des Ses
gens: und wenn der Herr denn thut, wie er wol pflegt, das Haus seines Freunde«
auch äußerlich auszeichnet; so spricht, wer zur Ehre Gottes sprechen mag:
"Also wird gesegnet der Mann, der den Herrn fürchtet! Seine Sees«
"wird im Guten wohnen, und sein Saame wird das Land besitzen."
Ench dazn aufzumuntern, dies erfordert taglich mein Amt, das gebeut stets die Liebe;
aber enthält dieses Fest nicht noch eine besondere Aufforderung dazu? Der Beginn
eines neuen Jahrs heißt mich sprechen: o möchte di.«g Jahr das gnädige Jahr des
Herrn werden! Der Anfang eine« Jahrhunderts erhöhet den Wunsch: o wäre die-
ser neue Zeitraum in allen seinen Tagen und Stunden so gesegnet! E« steht bey UN«,
daß er es werde: so geschehe e« denn. Amen.
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