Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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^brauchen." Jede unsrer vorigen Sünden und Thorheiten «nackt den Gedanken
m uns lebendig: "du hast des Unrechte genug gechan, qenug des Guten versäumt,
"gestört! Schon fühlst du die Folgen, und das Ende läßt sich vorhersehen, ') wie
"könntest du noch fortfahren auf dem Wege, der nicht gut ist?" Also nun wollen
wir umkehren, und da wir wollen: so ist das einzige Hinderniß, warum das Gute
bisher nicht geschah, gehoben«
Daß dies Wollen mehr als ein schwacher — wehr als ein ernstlicher Wunsch
seyn müsse, verdient kaum e«ne Erinnerung, da Jeder dies erkennen muß. Blieben
wir dabey stehen: so wären wir ja nicht weiter als zuvor; denn wo ist wol ein Herj
so lasterhaft, daß ihm nichts gar nichts den Wunsch, auch tugendhaft zu seyn, abge»
nökhigt hätte? Auch würde der ernstlichste Vorsatz ohne Ausführung uns nicht weis
ter führen, als die Meisten unter uns schon oft waren. Laßt die Vernunft sagen,
was zu diesem Wollen erfordert wird. Was thut derKranke, der Genesung begehrt?
Joh 5.6.7. Er bemüht sich um Hülse, und wenn sie da ist: so nimmt er willig
den Arzt, willi* die Arzeney an, und bellt sich genau nach den Vorschriften. So ge-
neset er denn, weil es nicht an ihm fehlet, sofern der Arzt und seine Mittel das sind,
was sie senn sollen. Das Reich Gottes ist gleich einem Kraukenhause: wohl uns des
fluten Arztes! Hier liegte allein am Kranken, wenn die Genesung nicht erfolgt.
Ohne Bild zu reden: der Mensch macht sich mehr und mehr mit der Art, mit dcu
Quellen seiner Fehler, auch mit den Mitteln dawider bekannt; forscht, was er thun
w»ß, Ap. 16, 30, und rhuts, erfüllt sich mit dem lebhaftesten Abscheu am Bösen,
w>t warmer Liebe des Guten, strebt, wacht und betet; und so wird der Böse gut, der
Gute besser. Unfehlbar ist der Erfolg: Gott ist unfre Hoffnung. Er weiß den
Gottlosen qerecht zu machen, er weiß den Frommen fest zu behalten bis ans Ende»
Rom. 4, 5. Z, 24.25. l.Kor. 1,8.9.
Schluß.
Mit welchen froben Hoffnungen können wir alfo den neuen Abschnitt unsrer
Lausbahn antreten'. Soll es denn nicht so gut für uns werden? Wie glücklich sind
wir, wenn wir den Entschluß der Besserung, der in dem Augenblicke, da wir ihn
fassen, das Herz mit der lebhaftesten Freude erfüllt, treu ausführen. Wie wir besser
werden, so werden wir der S«ligkeit fähiger. Was hat der Fromme nicht zu genies--
sen, zu erwarten? Wie überglücklich fühlt er sich in der Annäherung zu Gott? Was
gleicht feiner Freude, wenn er nun täglich an heilsamer Erkenntniß, täglich an wah«
rer W««sheit zunimmt? wenn er täglich, stündlich mehr gewahr wird, wie wohl er
gewählet hat? wenn nun Gottes Gnade ihm immer theurer, wenn sein Heiland ihm
Immer lieber, das Gute ihm immer angenehmer und leichter, das Böse immer ver<
haßter
') Röm.6,19—23.