Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia

Vorrede.
hoffentlich darf ichs vor meinem Publicum nicht entschuldigen, daß ich diesen seltnen Jahrs-
Wechsel seyerlich zu machen, und sein Andenken zu erhalten suchte. Der größle Theil meiner
Gemeine, und der Auswärtige» Viele haben sich dafür erklärt. Selbst ein Königlicher Befehl
vom 2isten Nov. izoo gebvl denPredigern, "die geliebte» und getreue» Untenhairru aufzni
"muntern, sich der im abgewichenen Iahchnndert genossenen Wohlthaten Gottes, und seines
"denKönigl. Reichen nnd Landen, während eines so langen Zeitraums, verliehenen besonder»
"gnädigenSchutzes und mauuichfallige» Sege«s, mit dankbaren u»d verrrauenvollen Her-
"zen zn erimiern," und zu dem Ende sollte "hierauf bey dem öffentlichen Gottesdienste die
"Anfmerksamkeit vorzüglich gerichtet —von jedem Prediger etil zweckmäßiger biblischer Text
"zur Predigt gewählt, und solcher der Gemeine nebst den Gesängen am vorhergehenden
"Sonntage —angezeiger, auch ein eigenes dem wichtigen Gegenstände angeniessenes rühren,
"des Gebet von jedem Prediger abgefasset und gebraucht werden." Eine andere Verord,
Kling, wodnrch alle kostspielige Feyerlichkeiten untersagt wurden,machte nur Eine EinschräW
knng,') welche die großeTbeurung nnsrer Tage zu forden, schien.
Nach der jedem Prediger gelassenen Freyheit wünschte ich, die Scheidestnnde des Jahr«
Hunderts, die Mitternachtsstunde, durch einen eignen Gottesdienst, wenigfl-us durch ei»
l'c vcum zn feyerm Aber (zum Andenken oes so yoch gepllrfnirn ,gte„ Jahrhunderts
seys gesagt) die leider zu sehr in die Augen fallende Geringschätzung des Gottesdienstes ließ
besorgen, daß bey dieser ungewöhnlichen Zeit Unordnung entstehen mochte. Um also meiner
Pflicht, Gelegenheiten zum Guten zu macheu und zn benutzen, einige Gnüge zu rhun, blieb
mir nichls übrig, als das, waS ich geihan habe, uehmlich den lezten Tag des Jahrhunderts,
welcher doch zum Wochen-Gottesdienst bestimmt ist,zu feyern. Ich lud meine Gemeine dazu
«in, sie erschien sehr zahlreich, und hörte die erste Predigt über die erste Hälfte des lvzteii
Psalms, obschon ich wegen lebhafter Gemüthsbewegung sie ablesen mußte/ mit der größte»
Stille an. Nach der Predigt folgte der erste Theil der Choralmusik,3) welche durch eine Colt
lecte vor dem Altar, den Segen und den Lobgesang 125 mitPanken und Trompeten beschlossen
wurde. Am folgenden, dem Nenjahrstage, machte: Herr Gott dich loben wir :c. und der 7
zweyte Theil der Musik den Anfang, und ich hielt die zweyte Predigt dieser Sammlung über
die
') Hundert Neichsihaler anf eine Illumination, auf ein Feuerwerk verwandt, würden,
au Arme verrheilt, unstreitig gottgefälliger und dieser Verordnung gemäßer äuge,
legt seyn; aber ei» paar Thaler, die eine Kirchenmusik kostet, ist kein Aufwand.
«) I» der Stadlkirche war das um soviel leichler, da des 5Bintev5 iminer bey der
Hauptpredigt Lichter brennen.
Z) Nur das, was die Gemeine nicht sang, ist meine eigne Arbeit, das Uebrige sind
Verse von Kirchenliedern, zum Theil erwas verändert.