Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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Mittel wisse», uns zu reizen, zu gewinnen, zu fesseln: die Langmuth und Erbar»
mung der ewigen Liebe wird uns zur Buße leiten: die allmächtige Gnade wird von
außen her jedes Hinderniß entfernen, und wird in den Schwachen mächtig seyn.
Und dieser unser Gott verspricht den Guten: ich will dich unterweisen, ich will dir
den Weg zeigen, den du wandeln sollst, ich will dich mit meinen Auqen leiten. Ps,
Z 2,8. Verspricht den Verhärteten: ich will das steinerne Herz aus eurem Fleische
wegnehmen, und euch eil^fleischerncs, das ist, ein für das Gute fühlendes, ein lenk«
bares, der Besserung fähiges Herz geben» Hesek. Z6, 26.27- So kann ja der
Schwache guten Muth fassen, fortzufahren: fo kann der Verdorbenste Mensch der
Verzweiflung entgehn: denn Gott will aus uns Allen Leute machen, die in seinen
Geboten wandeln, seine Rechte halten, und darnach thun; ja der Mensch Gottes,
der durch Gottes Gnade gebesserte Mensch, soll vollkommen, zu allem guten Werk ge-
schickt werden. 2. Tim. 3, 16. «7. Mit diesen liebreichen Verheißungen stimmt auch
das überein, was wir bisher von Gottes Güte erfahren haben. Wie behandelte er
uns bisher, ohnerachtet unsrer Unwürdigkeit? Was er bisher that, und wie vieles
war das nicht, beweiset doch seine Liebe unwi»ersprechlich? Die größten Wohltha?
ten Gottes sind die Veranstaltungen zur Wohlfahrt unsere Geistes, welche ohne
Besserung des Herzens nicht öenkbar ist. Und haben seine leiblichen Gaben keinen
höhern Zweck als die Erleichterung dieses Lebens? Wenn wir nun ernstlicher als
bisher uns vornehmen, und redlicher als zuvor streben, gut zu werden, dürfen wir
denn nicht im Vertrauen auf sein Vaurherz schließen: "Gott, der den Unwürdigen,
"Widerstrebenden, so viele zuvorkommende Uevc Venne?, oer wlrv ttfofiiq el'.n so
«viel ja mehr thun, wenn wir nicht mehr widerstreben, sondern in seine Absichten
"einstimmen^ und sie zu befördern uns treu bemühn." — Kann denn nicht der
Gottlose hoffen: "Gott, der dem unfruchtbaren Baum so lange Frist gab, und ohne
"Erfolg so vieles an dessen Veredlung wandte, wird ihn ferner tragen, ferner alles
"an ihn winden, wenn er fruchtbar wird." Ebensoder minder Böse: "Bisher
"sähe Gott mir so liebreich nach, obschon es an reifen Früchten fehlte; wie sollte
"er seine Gnade von mir wenden, da ich sie treuer zu benutzen entschlossen bin?"
Und wer du seyst, nur daß du redlich wollest, du kannst das Vertrauen fassen: "Gott
"wird das, was er dir oft vergebens anbot, nun, da es nicht nuhr fruchtlos bleiben
"soll, nicht zurücknehmen." So haben wir denn die schönste Hoffnung, daß es uns
a:n göttlichen Beystande zu >u Guten nicht fehlen soll, oas heißr^duß uiisce Besserung
gelingen wird.
Alles beruht nun bloß aufdcn ernstlichen Willen, der gewiß in jedem Herzen
ist, welches Gottes Wohlchaten hochschätzt, und seine bisherige Unwürdigkeit erken-
net. Iede Wohlchat Gottes fordert zu dieser Entschlossenheit auf: "rcir wollen mu
" fers Gottes feyn! ' Denn das ist die eigentliche Dankbarkeit Jedcs dargeboten?
Hülfsmiirel zum Guten erzeugt in uns den Vorsatz: "wir wollen dem Gott der
"Liebe nicht widerstreben, seine Gnade nicht versäumen, seine Gaben mcht miß,
"brauchen."