Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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und Andern zum Beweise, wie gnädig Du in diesem großen Zeitraum unsernl Lande
wärest? Ja unaussprechlich, unzählig sind deine Wohlrhaten für Secl'und Leib,
an uns und unser« Vätern und Kindern! Auch an väterlichen Züchtigungen zu
miserm Besten hat e» nicht gemangelt: woran könnt'es deine Treue wohl fehlen
lassen?
Wären wir doch stets recht dankbar gewesen! Aber unser Gewissen bezeu-
get uns, daß wir oft deine Güte nicht erkannt, deine Züchtigungen nicht benutzt,
deine Aufforderungen zum Guten nicht treu angewendet haben. Wir haben oft
dein Wort und deinen Dienst, deine Gnade und deine Gebote verachtet; haben uns
Dein und deines Sohnes geschämet; haben unser wahre« Heil versäumet; haben
unö, v wie manchen, wie strafbaren! Thorheiten, Lüsten und Lastern ergeben! Reden
sie nicht laut wider uns — die Beweise der Ungerechtigkeit und der Unzucht, de«
Geizes und der Verschwendung, des Hasses und Neides, welche uns von allen Sei»
»en in die Augen fallen. Sehen wir nicht noch in unfern Tagen Ehebruch und Ehe?
fcheidung. Betrug und Meineid häufiger werden? Nunmt nicht Aergerniß und
Verführung immer mehr Ucberhand? Sind nicht Gehorsam gegen Aeltern. Lehrer
und Obrigkeit; Zucht und Ordnung; Zutrauen und Redlichkeit sichlbar im Abneh-
men? Was findest Du denn. Allwissender, an uns, das die Eigenliebe uns nicht
bemerken läßt, oder das Dunkel der Mitternacht bedecket! Ist das das Volk des
Herrn, über welchem Gottes Güte mit jedem Morgen neu wir'v? O tief beugt es
uns, daß wir und -nfr- uno «ttiver uus so oft, fo hart an Dir versündigt
haben'.!!
Bey diesem traurigen Bewußtseyn unsrer Schuld — wie trübe wirb uns
da die Auesicht in die Zukunft! Ein Jahrhundert beginnt: was kann und wird
uns darin widerfahren? O wenn Du, gerechter Gott, des Erbarmens müde, dein
undankbares Volk heimsuchtest! Wehe uns, wenn Du mit uns handeln wolltest
nach unfern Sünden! Müßte denn nicht deine Ruche, die uns schon traf, ') noch
schärfer werden? Müßte nicht der Friede von unsern Grenzen weichen? Müßten
nicht Flammen und Fluthen unser Erblheil v. rschlingen, und Seuchen und Plagen
uns mit unsern Lieben hinreißen? Müßren nicht ungerechte Obern über uns Herr«
schen, und untreue Lehrer uns irre führen? Müßte nicht deine Leuchte für uns ver?
löschen, und dein Reich von uns genommen werden? Welches Loos für uns und
unfre Nachkommen!
Herr! wir fallen Dir zu Fuße. Gedenke daran, daß wir Skaub sind. Um
der Gerechten willen unter uns, die nicht leiden sollen mir den Golklosen *) —
C um
') Die Thenrung.
') i, Mos. lö, 23.