Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
Snmden, die das Jahr noch währt, angelegentlich, ausschließlich beschäftigen.
Nähret, erwärmet, belebet sie durch fortgesetzte Rückcrinnerung eurer vorigen Tage,
laßt mich nwrgen, wenn ich denn noch lebe und wieder vor Euch austrete, sie
w'.ed^finden in Euren Gemüthern. Um meinetwillen — um Eurer Wohlfahrt, um
Eurer Ruhe, Eurer Seligkeit willen — um Gottes, um den Wunden Jesu willen —
höret micd, daß Gott Euch wieder höre, in der Noch, im lezten Augenblick, am Tage
des Gericht«! — Amen.
Kirchengebet an beyden Tagen. l)
Vor Dir, allgütiger Gott und Vater, erscheinen wir. Deine Kinder, an diesem
festlichen Tage, Dich zu loben für alle Huld und Gnade, womit Du, nicht Ein
Jahr, sondern hundert Jahre, lang über uns gewaltet hast. Laß unfern Dank, laß
unsre Gelübde Dir in Gnaden gefallen, um Christ» willen'.
Wie große Dmae hast Du, o Herr, an uns geihai,! Mit welchen Scgnun-
gen hast Du uns und unsre Väter überschüttet! Welche Gefahren und Uebel hast
Du von uns, von unserm Ort und Lande abgewandt! Wie gütig Haft Du uns dein
Wort und deinen Dienst erhalten! Wie mild uns Fähigkeiten und Gelegenheiten
zum Guten verlieh'n! Wie liebreich uns Gesundheit und LebenSu,.'rhalt gewähret!
Deß rühmet und preiset Dick) dein Volk mit Erde. Ja! Du hast uns zum Zeichen vor allen Völkern gesetzt: denn dein großes
Geschenk, der Friede mit allen seinen Wohlthaten, hat unser Vaterland beglückt.
Wie oft, und wie hart fühlren and^e Gebenden, fern und nahe, dieGeissl des Krie-
ges, wie manche bluten noch unter ihren Schlägen! Vor unfern glücklichen Grau
zen hießest Du diesen Würgengel vorübergehen. Unsre Felder und Wälder sind
nicht verheert; unsre Hütten nicht ein Raub der Flammen geworden. Uisre Ten«-
pcl und Altäre sind nicht entweiht; untre Brüder, Väter und Söhne sind nicht
durchs Schwerdt gefallen; unfieGattinnen, Schwestern, Töchter und Mütter nicht
des wilden Kriegers Beute gewesen. Dir, v treuer mächtiger Schuhgott, danke»
wirs mit inniger Rührung, daß Du uns Könige und Regenten gabst, welche den
Werth des ÄenschenblutS zu schätzen wußten, und ihnen Raihqeber und Rath ver-
liehst, den Frieden zu bauen! Dir, o Vater des Lichts und der Liebe, danken wir so
manche nützliche Anstalt und Verbesserung, so manchen Fortschritt in Kenntnissen,
so manchen besonder» und allgemeinen Segen, welcher uns vor andern zu Theil
wurde. Wenn wir zurück — wenn wir um uns sehen — find wir nicht selbst und
alles, was wir besaßen und besitzen, genossen und genießen, hofften und hoffen, uns
und
') Dies Gebet und der Text zur Musik war gedruckt in den Händen der Gemein,.
Anm. d. Herauegebers.