Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
hat, hat er sie recht lieb? ans der rechten Ursache sieb? Haben wir stets so an iHnen
gehandelt, daß wir mit ihnen vor einem menschlichen Richterstuhl — und einst vor
dem höchsten Richterstuhl auftreten können? Wir sehen den größten Theil der
Menschheit unter— hinter uns: können die alle, welche jünger oder geringe» sind
als wir, zu uns hinaufblicken, um ein Muster zu sehen, welchen« sie zu gleichen stre»
ben müss»? oder müssen wir ihnen entgegen rufen: hütet euch zu werden wie wir?
Sind vielleicht Leichtsinn und Lasterhaftigkeit nunmehr in uns mit Erfahrung und
fester Kraft vereint, um desto geheimer, desto leichter Böfeö zu schaffen?
Doch! mein Auge soll sich nicht versündigen, nicht lauter Galeerensklaven
Und Züchtlinge sehen: ich will es auf die bessere Seite wenden. Wir rühmen uns,
brauchbare Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu seyn, und es sey Wahrheit,
daß wir unserm Alter und Sttmde Ehre machen, uns nicht-durch Laster schänden:
mags seyn, daß wir unbescholten, unverletzbar selbst der scharfen Zunge des Neides
sind. Sind nur denn nun das, rvas wir werden konnren, und werden
föllrcn? Jeder kann wenigstens wissen, daß wir nicht bloß die Vernunft zum Leit-
stern haben, nicht bloß nach den Gründen des R.chts, oder gar des Nutzens und
Schadens handeln sollen. Ist nicht Gottes Ehre der höhere Zweck — ist nicht Got-
tes Wille der richtigere Bestimmungsgrund unsere Denkens undHandelns? Nicht
auf Grtt sehen, nicht vorzüqlich, nicht gänzlich aus Gotl sehen, ist dag Dankbarkeit
für ein Gescböpf, das in Gottes Erkenntniß seine'Freude, in Gottes Liebe feine
Seligkeit zu finden Fähigkeit und Berus har? Und wir kennen nicht bloß Gott, wir
kennen auch seinen Sohn, wird sind Christen. Fragt nun. ob wir sind, was wir
als Christen seyn könnten und sollten — Gottes Werk, geschossen in Christo J'su
zu guten Werken? Lebt Christus, herrscht seine Liebe, wohnt sein Geist in uns? Ist
Gottes Sohn unsrc Gerechtigkeit. Weisheit und Heiligkeit? Laßt mich schweigen
von denen, welche Gottes und Jesu Feinde sind, sie sehevs ein Oder werden« ein?
sehen, wie undankbar sie die wohltätigsten Anstalten der göttlichen Liebe verschmäh-
ten, und Er, der für seine Mörder bat, die nicht wußten was sie thaten. wolle sie
nicht veiwerfen! Laßt mich nur reden von uns, die wir Christi Namen nennen. Sind
wir uns selbst und der Welt Beyspiele, wie groß und glücklich das Christenthum
macht? M»ß. wer uns ansieht, wünschen, daß er wäre wie wir. Apost.lg 26, 28?
Dcch laßt uns dem Lichre näher treten. Sind wir Gottes Wohlgefallen, sii.d wir
Jesu Lust? Geht uns dies über alles, und ist uns das Gegentheil davon das größte
Uebel? Wandel» wir vor Gott? gehen wir mit ihm um? O wenn unser Christen«
thum nur Mundglaube, unser Ruhm an Gott nur Selbsttäuschung und Heuchelei)
wäre! — Laßt mich die entscheidendsten Fragen thun: wo sind die Früchte den Gar
rechngkeil, di- in uns geschehen durch Jesum Christum? — und dann diese: wenn
wir uns ihrer rühmen, seit wann, seil welchen, seligen Augenblicke ergabst du Gott
tyin Herz? Seil wie lange ist Christus dein Ein und Alles? Wcr sich dies in
Wahr,