Titel:
Säcular-Feyer der Stadt- und Landgemeine zu Glückstadt
Beteiligte Personen:
Witt, Johann Gottfried Wikipedia
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und Gott lenkte ihre Herzen, lenkte die Umstände, daß sie in Frieden ihre Kronen
aufs tzen, in Frieden sie niederlegen konnten. Ihr wißt, daß die Gefahr, ihn zu ver-
lieren, oft groß genug war. Brannte die Flamme des Krieqes nicht in unfrer Nahe?
Höne man nicht in Glückstadl« Mauren den Donner des Geschützes? Es fehlt«
weder an Feinden, die nns unfre Ruhe mißgönneten, noch an Bundesgenossen, die
Uii'ern Beystand begehrten. Gottes Vors. hung ließ Drohungen und Versprechuni
<;en ohne Eriolg für uns bleiben. Wir dürfen nur tn das heut ablaufende Jahr zu-
rückblicken. um zu seh. n, wie nahe d.rKri.g uns war. Noch sehen wir die Rüstun-
gen qeqen den drohende,, Feind, sehen uns« Fahrzeuge, welche wir zum friedlichen
Gewerbe danken, zu Krie^swerkjeuqci, bereiten — unfre Landeskinder an den Ufern
der Elbe gerüstet den Feind erwarten. Sie ist verschwunden, die schreckende Gefahr.
U 're Brüder und Sohne sind tu ihre friedlichen Quartiere, unsre Kanonen in ihre
R stkammern, unsre Schiff.-entwaffnet in den Hafen zurück^ekeh t. O welchen
U Mn sehen wir uns dadurch entri&n! Ihr Glücklichen, ihr keimet sie nur aus Er;
Zählungen, auch ich sähe sie nie. Aber wie leicht ists uns das Unheil vorzustellen,
was Krieg und Aufruhr in so vielen Ländern stifteten, nur nicht in dem Uisrissen»
I'lS nicht ängstlich zu decken, wie wir in unserm Orte von Feinden eingeschlossen
nvirm, welche dtucb Hn»aer oder Kug ln, durch u berfall oder Stürm uns zu bes
zwinaen alles anwendeten? W nn jeder Schuß, den wir nu» fo ruhiq fallen hören,
uns oder unfern Lieben Tod oder Verstümmelung drohete — wenn ui'fer Gottesdienst,
oder unire häusliche Mahlzeit, oder u.freRuhe »ach der Mühe desTag^s so schrecke
IUI, unterbrochen würde, welche traurige Lage! Wir, uns.rm Jt&iiqe tr»ti, muien
denn williq diese Last: aber wie schwer könnte sie werden? und wie glücklich sind
wir, daß wir damii verschont blieben? O erlaubt es nie euch silbst, nie einem An-
dern, mir Leichtsinn der Kriegsübel zu gedenken. Oder ists kein Ubrl, feinen Sohn,
seinen Bruder, s inen Vater in augenblicklicher Todesgefahr zu wissen? — kein
Uebel, von Freund und Feind ausgesogen zu w rden — kein Ü bel, die friedlichen
Hütten des Landmanns den Flammen preis gegeben, das Vi.h, das ihn nährt utch
ihm dient, die Frucht, die er für sich und für uns baut, ja ihn und uns selbst nebst
Kindern und Gattinn.n der Ät>illkühr wilder, blutdürstiger, raubgieriger Horden
ansgcs.ht zu sehen? — zu s'hen, wie Tempil und Altäre geplündert und entweiht
werden. O! vor wie vielen Nöthen hat uns der Herr bewahret! Ja aus dem Un«
fall andrer Länder, hat er das Unfrige Vortheile, «roße Vorrheile ziehen lassen.
Unfre Sch'ffe fuhren sicher, und alle Parteyen brauchten und bezahlten sie. Hnn-
derre wurden aus Einzelnen, und Reichthümer flössen aus dem Auslande dem Um
frigen zu. Unfre,Acker, welche feiten undankbar waren, lohnten desto reichlicher
dem Schweisse des Landmanne, der Mühe und Gefahr des Kaufmann». Wenn wir
weniger üppig wären, wie reich müßte« wir feyn! So unterschied uns die Vorsicht
vor allen andern Nationen»
Aber