Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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irrung Einzelner vorgekommen, sondern, wenn vielleicht auch nicht gerade
etwas Ranz Gewöhnliches, so doch jedenfalls nichts Ungewöhnliches und
sicherlich nicht durch allgemeine Abscheu verdammt gewesen sind, muss
als das für die sittliche Verkommenheit jener Genossenschaft sehr charak-
teristische Ergebnis« der au verschiedenen Orten angestellten Untersuchungen
bezeichnet werden. Mag man als ein einigermaassen milderndes Moment
hervorheben, dass das scheussliche Laster der Sodomie iin Orient altein-
heimisch und gerade in Palästina und Syrien bis auf den heutigen Tag
ganz gewöhnlich ist. bei den Christen so gut wie bei den Mohamcdauern,
und muss ferner leider als erwiesen gelten, dass dasselbe gerade in jeuer
Epoche des Mittelalters auch im Abeudlande in erschreckender Weise ver-
breitet gewesen ist. ') so bleibt es darum doch eine nicht weniger eutsetzliche
Thatsachc. dass eine geistlich-ritterliche Genossenschaft, welcher durch ein
. feierliches Gelübde Keuschheit auferlegt war, den neu in sie eintretenden
jüngeren Gliedern die ausdrückliche Erlaubniss gab. ihrem sinnlichen
Drange auf unnatürliche Weise Befriedigung zu verschaffen. Dieselbe
scheint dabei auch ihrerseits dem im Orient heimischen sittlichen Verderben
ihren Tribut gezahlt zu haben: denn aus gesundheitlichen Rücksichten —
.damit sie die Hitze des Orientó besser ertrügen" — gab mau den jüngeren
Kittern bei der Aufnahme in den Orden die Erlaubniss zur Süude der
Sodomie. ») Ausserdem aber scheint noch eine andere, in ihrer Art eben-
falls höchst bezeichnende Erwägung dabei obgewaltet zu haben. Es scheint
nämlich, als ob die Oberen des Tempelherren-Ordens das Geheimniss ihrer
Gemeinschaft für gefährdet hielten, wenn die sittliche Laxheit ihrer jüngeren
Genossen dasselbe durch den Umgang mit Weibern zu verrathen versucht
würde; auch konnte die Verletzung des Gebots der Keuschheit auf diesem
Wege sehr viel eher ruchbar werden und dem Ordeu. der so schon keiues
guten Ixrumuudes geiioss, noch mehr üble Nachrede eintragen.3)
1) Z. 13. an» Hofe Heinrichs II. von England, von dessen Söhnen zwei mil
diesem Laster hehuftet waren. Guilelm, de Xangiaco. Grouvelle 303.
2) Dupuy I, 94. „Dit «jue l'on leur pennet de connoitre charnellement leurs
compagnons ut melius caliditatcm terrae ultramarinae valcant tolerare."
Michelet I, 417 — quod si huhcret cnlorem naturalem, poterat commisceri car-
naliter cum fratribus ordini*. Vgl. dio Aussage des Rainald de Tevaco zu Gabors,
Dupuy I, 91 und die Rubrik *¿3 p. 1)2. Vgl. 8. 18. Coneil. Hrit. II, 384. Der
Kunzler Nogaret theilt 28. Nov. 1309 der päpstlichen Commission mit, dans nach
der Chronik von S. Denis schon Saladin die Templer der Sodomie beschuldigt habe.
Michelet 1,44; nach ehendas. 11,208 galt Jacob v. Molay selbst für diesem Laster
verfallen.
3) Dupuy I, 94: — Et nc diffamaretur pro uiulicribus. Vgl. Grou-
G*