Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
— 82 —
vielmehr liegen uns ganz bestimmte Anhnltpunktc dafür vor. dnss zwischen
der Geheimlehre und den Cultusceremonien der Tempelherren und der
durchaus materialistischen Richtung, welche dieselben in ihrem Leben und
Treiben bethätigten, wirklich ein innerer Zusammenhang bestand und von
ihueu selbst anerkannt wurde. Hierfür fällt zunächst entscheidend in das
Gewicht die Aussage des Ritters Johannes Wolby de Rust, des 71. der iu
dein englischen I'rocesse verhörten Zeugen: derselbe leitet nämlich den
Idolcultus her von einem — ihm natürlich dem Namen nach nicht be-
kannten — Hochmeister des Ordens, welcher den Orden gewaltig bereichert
habe; dieser soll auf dem Todtenbette die Oberen des Ordens zu sich
beschieden und ihnen gesagt haben, sie sollten, wenn sie herrschen und
in Ehren stehen wollten, die Anbetung des Idolkopfes beibehalten. ')
Danach galt also doch die unter dem Hilde jenes Idols verehrte Gottheit
für den Spender all des reichen weltlichen Besitzes, dessen sich der
Orden erfreute. Dazu stimmen die früher angeführten Aeusserungen, nach
welchen diese Gottheit bezeichnet wurde als Urheberin der Gesundheit
sowohl wie des Reichthums auch des Einzelnen.*) Das aber ist eine Vor-
stellung, die weit über den Standpunkt der gewöhnlichen Katharer hinaus-
geht und die wir iu allen wesentlichen Zügen entsprechend nur noch bei
den eigentlichen Teufelsanbetern, den Luciferianeru, wiederfinden.
Endlich muss hier auch noch ein anderer Punkt — so widerwärtig es
ist, sich damit zu beschäftigen — wenigstens berührt werden, weil er ein
neues Moment ergiebt für die Verwandtschaft der Geheimlehre der Tempel-
herren mit der der Luciferiancr — nämlich die dein Orden schuldgcgcbencu
geschlechtlichen Verirrungen. Was die Artikel 40—45 der grossen
Anklageakte dem Orden iu dieser Hinsicht schuldgebeu,*) ist allerdings
durch die Zeugenaussagen nicht in seinem weitesten Umfange, aber doch
in allen wesentlichen Punkten bestätigt worden. Dass nämlich wider-
natürliche Ausschweifungen im Tempelherren-Orden nicht bloss als Ver-
1) Concil. 13,rit. IT, 3fi2: — dixit, quod ¡stud negotium orttim habuerat n
quodam magno magistro totius ordini», qui multum umpliaverat posscssioucs totius
ordini», et quod moriens fecit vocari diversos praeeeptores, quibtis dixit per inodum
collationis, quod si vcllent domiuari et esse in honore, quod adorarent tale caput.
2) S. oben S. 57, Anm. 4.
3) Art. 40: Item quod fratribiis, quos reeipiebaat, direbant. quod ad invicem
poterunt um» cum alio commisccri carnal iter. 41 : Item quod hoc licitimi erat iis
facere. 42: Item quod debebant hoc faeere ad invicem et pati. 4 3: Item quod hoc
facere non erat iis peeeatum. 44: Item quod hue facicbant ipsi vel plures eorum
45: Item quod aliqui eorum.