— 81 —
unrechtmässigen Erwerbes vielfach in üblem Rufo gestanden , sich ohne •Scheu auf Kohlen ihrer Nachbarn nn Gütern und Landbesitz uuf redlichem und unredlichem Wege zu bereichern gesucht . Gast freundschuft aber nur gegen mächtige und reiche Leute geübt hätten , was natürlich mehr brachte als kostete . • ) Und ganz der gleiche Vorwurf wird von einer anderen Seite her erhoben , * ) nur dass es dabei heisst , die Grossen und Mächtigen nehme der Urden nur aus Furcht gastlich auf .
Was bisher zur Charakteristik des Tempelherren - Ordens nach dieser Seite hin beigebracht ist , wird wohl genügen , um den Standpunkt zu fixireu , auf dem »ich die Moral dieser ritterlichen Genossenschaft zu Ende des dreizehnten und zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts befand . Von den ihm durch die Hegel d«>s heiligen Bernhard auferlegten Pflichten erfüllte der Orden eigentlich keine mehr . Das colossale Vermögen , das er zusammengebracht hatte , wurde offenbar nur noch selbstsüchtigen strebungen dienstbar gemacht ; der Ertrag desselben ermöglichte den Gliedern de» Ordens ein prunkvolles , verschwenderisches Leben ; dieses mitzumachen drängten sich junge Adlige nach wie vor zur Aufnahme in diese meinschaft , von einer l'rüfung des Aufzunehmenden , einem Noviziat , ist nur in ganz vereinzelten Fällen noch die Hede : ist es da nicht uutürlich , dass der junge Nachwuchs noch schlimmer wurde als Seine Vorgäuger , dass der Orden von Generation zu Generation mehr verdorben wurde , dass er schliesslich nur uoch materielle Interessen kunute und nur noch Erwerb , Macht und Sinuengenuss erstrebte ?
Erinnern wir uns nun desjenigen , was den wesentlichen Inhalt der templerischen Geheimlehre ausmachte , dann des Zusammenhanges , der zwischen derselben und der abscheulichen Ketzerei der Luciferianer in einzelnen Funkten bestand , und stellen damit nun die Moral des Ordens , wie sie au» den mitgetheilten Thatsachen sich ergiebt , in Vergleich : werden wir nicht zugeben müssen , dass dazwischen eine überraschende Ueberein - stimiming besteht , dass sich Dogma und Moral , Theorie und Praxis zu einem in sich geschlossenen , durchaus conscquciitcu Systeme fügen ? Dabei handelt es sich hier nicht einmal bloss um eine Vermuthung ,
1 ) Cou eil . Brit . II , 382 : — quod «le iniusto conquesti ! sunt Templari i multiplieiter diffamati ; nam indifferenter appropiari »ibi cupiunt per fus vel in fus bona et praediu suorum vicinorutn et hospitalitatetn non tenent nisi diviti - bus ae potentibus , timoris cuusa tie cleemosyiias largiantur .
2 ) Ibid . 3H4 : Quod pauperes ad hospitalitatein libenter non reeipie - baut , sed timoris causa divites et potentes solos et quod multimi erant cupidi aliena bona per fas vel per nefas pro suo ordine adquiriré .
I'rntl , TVmpeUnrrrn . ( J