Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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unrechtmässigen Erwerbes vielfach in üblem Rufo gestanden, sich ohne
•Scheu auf Kohlen ihrer Nachbarn nn Gütern und Landbesitz uuf redlichem
und unredlichem Wege zu bereichern gesucht. Gast freundschuft aber nur
gegen mächtige und reiche Leute geübt hätten, was natürlich mehr ein-
brachte als kostete. •) Und ganz der gleiche Vorwurf wird von einer
anderen Seite her erhoben,*) nur dass es dabei heisst, die Grossen und
Mächtigen nehme der Urden nur aus Furcht gastlich auf.
Was bisher zur Charakteristik des Tempelherren-Ordens nach dieser
Seite hin beigebracht ist, wird wohl genügen, um den Standpunkt zu
fixireu, auf dem »ich die Moral dieser ritterlichen Genossenschaft zu Ende
des dreizehnten und zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts befand.
Von den ihm durch die Hegel d«>s heiligen Bernhard auferlegten Pflichten
erfüllte der Orden eigentlich keine mehr. Das colossale Vermögen, das
er zusammengebracht hatte, wurde offenbar nur noch selbstsüchtigen Be-
strebungen dienstbar gemacht; der Ertrag desselben ermöglichte den Gliedern
de» Ordens ein prunkvolles, verschwenderisches Leben ; dieses mitzumachen
drängten sich junge Adlige nach wie vor zur Aufnahme in diese Ge-
meinschaft, von einer l'rüfung des Aufzunehmenden, einem Noviziat, ist
nur in ganz vereinzelten Fällen noch die Hede: ist es da nicht uutürlich,
dass der junge Nachwuchs noch schlimmer wurde als Seine Vorgäuger,
dass der Orden von Generation zu Generation mehr verdorben wurde,
dass er schliesslich nur uoch materielle Interessen kunute und nur noch
Erwerb, Macht und Sinuengenuss erstrebte?
Erinnern wir uns nun desjenigen, was den wesentlichen Inhalt der
templerischen Geheimlehre ausmachte, dann des Zusammenhanges, der
zwischen derselben und der abscheulichen Ketzerei der Luciferianer in
einzelnen Funkten bestand, und stellen damit nun die Moral des Ordens,
wie sie au» den mitgetheilten Thatsachen sich ergiebt, in Vergleich: werden
wir nicht zugeben müssen, dass dazwischen eine überraschende Ueberein-
stimiming besteht, dass sich Dogma und Moral, Theorie und Praxis zu
einem in sich geschlossenen, durchaus conscquciitcu Systeme zusammen-
fügen? Dabei handelt es sich hier nicht einmal bloss um eine Vermuthung,
1) Cou eil. Brit. II, 382: — quod «le iniusto conquesti! sunt Templari i
multiplieiter diffamati; nam indifferenter appropiari »ibi cupiunt per fus vel in fus
bona et praediu suorum vicinorutn et hospitalitatetn non tenent nisi diviti-
bus ae potentibus, timoris cuusa tie cleemosyiias largiantur.
2) Ibid. 3H4: Quod pauperes ad hospitalitatein libenter non reeipie-
baut, sed timoris causa divites et potentes solos et quod multimi erant
cupidi aliena bona per fas vel per nefas pro suo ordine adquiriré.
I'rntl, TVmpeUnrrrn. (J