Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
durch allo liiiider verbreitet, namentlich in dem besonders wichtigen
Frankreich eingebürgert, von Einem Mittelpunkte aus durchaus einheit-
lich geleitet und so in den Stand gesetzt wurde, alle die ihr gegebenen
riesigen finanziellen Mittel auch plan massig und dem einmal ins Auge ge-
faxten Ziele entsprechend 7.11 verwenden! Ist es da nicht eigentlich be-
greiflich, wenn ihr gegenüber selbst Fürsten sich gefährdet fühlten und
ein König von Frankreich um den Bestand seiner Gerechtsame in Sorge
Sein zu müssen meinte?
Von dem Gebrauche aber, welchen die Tempelherren von diesen
gewaltigen Mitteln machten, gewinucn wir nach den darüber Auskunft zu
geben geeigneten Notizen, die auf uns gekommen sind, durchaus keine
günstige Vorstellung. Eine Forderung irgend welcher gemeinnütziger
Zwecke wird nirgends erkennbar; von einem grössere Opfer erfordernden
Kampf gegen die Ungläubigen ist seit 1291 nicht mehr die Rede, denn
die Flottenexpeditionen, welche der Orden gelegentlich von Cypern aus
nach der nahen syrischen Küste machte, waren nichts weiter als Kaub-
und Plünderungszüge, von denen die Kitter mit mehr oder minder reicher
Heute heimzukehren pflegten. Es blieb dem Orden also eigentlich nur
noch das Gebiet der Armen- und Krankenpflege, auf die er zudem durch
die Statuten von 1128 ausdrücklich angewiesen war.') Nun ist aber nichts
dem Orden so einstimmig schuldgegeben worden, wie die bewusste und
absichtliche Vernachlässigung der ihm von seinen Stiftern auferlegten
Verpflichtung zu einer regelmässigen Armenpflege, die namentlich durch
Aufnahme und Verpflegung Bedürftiger iu den Ordenshäusern geübt werden
sollte. Wir haben schon früher gesehen,1) wie bereits in der zweiten
Hälfte des zwölften .Jahrhunderts ein gut unterrichteter Beobachter das-
jenige, was die Tempelherren auf diesem Gebiete leisteten, als nicht im
Entferntesten mit dem vergleichbar bezeichnete, was die Johanniter für
Armen- und Krankenpflege thaten. Dem entsprechend behauptet denn
auch die grosse Anklageakte, dass der Orden in Bezug auf Almosen-
ertheilung und Gastlichkeit den Bestimmungen seiner Kegel nicht iu ge-
bührender Weise nachkomme.1) Verschiedene Zeugenaussagen haben das
bestätigt. Ein schottischer Mönch sagt, dass die Tempelherren wegen
1) Statut von 1128, Art. XX: — decimimi totius pani» i|iiot¡d¡e elccmosynnrio
vestro dare iubemus.
2) So die oben S. 16 angeführten Stellen aus Johann v. WUrzbnrg hei Tohler
a. a. ü.
3) Art, 1>7: Item quod elemosina«' in dicto ordine non licbaiit, ut debebant, noe
hospitulitus siTvabatur (Groii ve 11 e 3-10).