Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
Worth dilisca Besitzes und der von ihm getragenen Leistung zu ermitteln;
so verschieden die Resultate sind, so ergehen sie doch in jedem Fall für
jene Zeit ganz gewaltige Summen: denn während nach den Einen die
Kosten für Ausrüstung und Unterhalt der 9000 Ritter jährlich 25 Millionen
nach unserem Oelde betragen haben, kommen Andere dafür gar zu der
Höhe von G2 Millionen Francs.') Die Zeit aher, wo der Besitz des
Tempelherren-Ordens sich am schnellsten und gewaltigsten vermehrte, be-
ginnt erst mit dem Ausgange des dreizehnten Jahrhunderts, — offenbar seitdem
man für das Heilige Land nichts mehr aufzuwenden brauchte und alle die
zur Verfügung stehenden grossen Mittel planmässig zur Vermehrung des
nutzbaren Besitzes im Abendlande verwenden konnte. So kann es uus
nicht verwundern, wenn sich die Zahl der dem Orden gehörigen Manoirs
in wenig mehr als einem Vierteljahrhundert von 9()0t) auf 10,500 ver-
mehrte (1307). Es scheint demnach nicht zu hoch gegriffen, wenn mau
die jährlichen Einkünfte des Tempelherren*Ordcns zu Anfang des drei-
zehnten Jahrhunderts auf 2 Millionen Lires, d. h. etwas über 50 Milliouen
Francs nach heutigem Oeidwerthe angeschlagen hat. Was das aber zu
bedeuten hatte, leuchtet erst ein, wenn man daueben die Thatsache hält,
dass um dieselbe Zeit der König von Frankreich aus seinem gesammten
Domänenbesitze nicht mehr als 80,000 Lires, d. h. 2,200,000 Francs das
Jahr zog.») Zu diesen allgemeinen Schätzungen stimmt vollkommen, was
uns aus einzelnen Gebieten über den Werth und den Ertrag der dort ge-
legenen Oüter des Ordens an genaueren Angaben zu Gebote steht. Welche
Mittel mussten die Tempelherren regelmässig zur Verfügung haben, wenn
sie allein in der Sénéchaussée Benucaire in einem Zeitraum von nicht
ganz vierzig Jahren Läudcreien kaufen konnten mit einem Jahresertragc
vou 11,000 Lires, d. h. etwa 320,000 Francs.') Und mit diesen colossale!»
Einnahmen aus schien Ländereien, für die er obeuein noch völlige Steuer-
freiheit den Landesherren gegenüber genoss,4) sind die Einkünfte des
Ordens noch gar nicht erschöpft: es kamen dazu zahlreiche, die Renten
vermehrende Schenkungen, ferner der in früheren Zeiten sicherlich recht
bedeutende Ertrag der Sammlungen, welche auf päpstliche Autorisation
hin zu Gunsten des Ordens und des von ihm im Heiligen Lande tur die
1) S. Grouvclle 198 ff.
2) Grouvelle 194—195.
3) Ebcndas. 198. Dupuy, Notices, n. 30.
4) Vgl. das Urcve 1*. Honifuz Vili, an den dea Orden besteuernden König
Heinrich von Cypern bei Dupuy, llist. de l'ordre mil. 177.