Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
welchen er im schneidendsten Widerspruch mit seiueti ursprünglichen Sta-
tuten von den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln machte. Man wähne
ja nicht etwa, dass es sich dabei nur um Uebcrtrcibungeu handele, wie
sie allerdings in diesem Punkte im Munde des Volks durch die unaufhalt-
sam vergröasernde Fama so leicht üblich werden. Wir besitzen den posi-
tivsten Anhalt für eine Schätzung der für jene Zeit wirklich riesenhaften
Hülfsquellen, welche dem Orden zu Gebote standen. Bereits Wilhelm von
Tyrus erwähnt (also vor 1184)') den Reichthuni der Tempelherren: dass
derselbe im Jahre 1 ID 1 im Stande war, dem König Richard von England
die auf dem Zuge nach Accori eroberte Insel Cypern für 100,ODO Gold-
byzantiner (d. i. an Metallwerth 950,000 Fres., nach dem damaligen Werth
des Geldes im Vergleich zu dem heutigen aber 8 Mili. Fres.) abzukaufen,1)
giebt eine lehrreiche Bestätigung dieses Berichts. Und von dieser colos-
salcu Summe zahlte der Orden dem König sofort -10,0 KJ Byzantiner, d. i.
380,000Frcs. Metall- und 2,440,000Fres. Courswerth! — Als charakteristisch
für den Tempelherren-Orden mag dabei vorläufig hervorgehoben werden,
dass derselbe auf der von ihm gekauften Insel eine so furchtbare Raub-
wirthschaft und ein so unerträgliches Erpressungssystem einführte, dass
schon nach wenigen Monaten eine allgemeine Erhebung der misshandelten
Bevölkerung ausbrach und die Ritter sich in ihren festen Burgen des
wüthenden Ansturms der zum Aeussersten gebrachten Cyprioten mit genauer
Noth erwehrten.') Weiterhin spricht dann um 1225 Jacob von Vitry voll Er-
staunen von den unermeßlichen Besitzungen, welche der Orden diesseits und
jenseits des Meeres erworben hat: Dörfer, Flecken und Städte besitzen die
Ritter, uus denen sie bedeutende Renten ziehen, wovon ein bestimmter
Theil alljährlich auf die Vertheidigung des Heiligen I>andes verwendet
werden soll.í) Und das Vermögen des Ordens hat sich rapido vermehrt:
denn etwa ein halbes Jahrhundert später giebt Matthäus l'ariss) die Zahl
der den Tempelherren gehörigen Manoirs auf ungefähr IX>00 an; ein jedes
Manoir aber war im Stande, einen Ritter jährlich auszurüsten und zu unter-
halten. Mau hat danach verschiedene Berechnungen ungestellt, um den
1) Guilelm. Tyr. XII, 4.
2) Mas Lutric, llist. de l'ile de Chypre I, "29, II, 7.
3) S. Mas Latrie I, 33—54.
4) Jacob a VI tri ato (Ed. Duac. ICH) p. 119—20: Amplis autein possessio-
nibus tarn citra mare quam ultra dilatati sunt in immensuin, villas, eivitates et
oppida — possidentes, ex (¡uibus certam pecuniae summum pro defensione terrae
Sanctae summo corum magistro--mittunt.
5) Matth. Purin 1. c.