Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
sonders bemerkt zu werden. Wir haben bereits gesehen, welch über-
raschende Aehnlichkeit gerade in einigen von diesen Punkten zwischen
Luciferianern und Tempelherren obwaltet.
Die Frage ist nun zunächst, ob denn diese Aehnlichkeit auch in Be-
zog auf die moralischen Con Sequen zen besteht, welche sich aus
solchen Lehrmeinungen not h wendig ergeben müssen.
Das Bild, welches uns in dieser Hinsicht von den Lucifcriuuurii ge-
macht wird, ist ein unsäglich widerwärtiges und muss jedes sittliche Ge-
fühl schroff abstossen. Der Gott der Luciferianer straft das Böae nicht
nur nicht, er kcuut überhaupt kein Böses: und deshalb, so hcisst es,
hielten die Luciferianer ihr« Zusammenkünfte an unterirdischen Orten, die
sie zweideutig „Busshöhlen14 nannten, und überHessen sich dabei den
schamlosesten geschlechtlichen Ausschweifungen, bei denen sie selbst vor
den Grcuclu der Blutschande nicht zurückschreckten. Es scheint fast, als
ob sie dabei von der Voraussetzung ausgegangen seien, dass, in welchem
Pfuhle sich auch der Körper wälzen möge, die Seele davon doch durch-
aus unberührt bleibe. ') Zu diesem crassei! Materialismus, diesem roheu
Cultus der Sinnlichkeit stimmt es nun freilich ganz vortrefflich, wenn wir
hören, dass die Ilauptsorge der Luciferianer auf die Erwerbung von Geld
und Gut gerichtet gewesen sei, und dass es sich in den Gebeten, die sie
au ihren Lucifer richteten, vor allem darum gehandelt habe, dass derselbe
ihuen Reichthümer verleihen möge.»)
Sehen wir nun zu, wie sich das Leben der Tempelherren, die in ge-
wissen Punkten den Glauben der Luciferianer theilten, von dieser Grund-
lage nus gestaltet hat: — so werden wir einräumen müssen, dass auch
auf diesem Gebiete ein gewisser Zusammenhang unverkennbar ist, insofern
nämlich, als das Leben der Tempelherren der aus ihrem Glauben sich er-
gebenden laxeu Moral durchaus entsprach. Die sittliche Verkommenheit,
von welcher der Tempelherren-Orden gegen das Ende seiner Laufbahn
hin nicht freigesprochen werden kann, und die von keinem auderen Aus-
gangspunkte erklärlichen tolleu Gebräuche, die wir in demselben herrschend
gefuudeu haben, erklären sich nur allzu gut uud nur allzu einfach aus den
sturk luciferianischen Glaubensvorstellungeu, die ihnen zu Grunde liegen.
Der obere Gott, der Schöpfer des Geistes und des Guten,3) galt auch
den Tempelherren für durchaus unnahbar und uufassbar; auch sie nahen
1) S. die von Loisvleur 00 angeführten Beispiele.
2) Schmidt I. e.
y) Vgl. oben S. —54.