Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
blutige Verfolgung begann, und zahlreiche Teufelsanbeter elideteli aut dem
Scheiterhaufen, und zwar gingen eie meist mit rahm vollem Muthe dem
«jualenreicheu Tode entgegen. Es mag ja übertrieben sein, wenn damals eines
der Häupter der Luciferianer in dem Momente, da er den Scheiterhaufen
bestieg, die drohende Erklärung gab, in Oesterreich und sonst zähle die
von ihm vertretene Lehre nicht weniger als 80,CHX) Anhänger; dass die-
selben aber über eine nicht unbeträchtliche Macht verfügten, beweist wohl
zur Genüge der zähe Widerstand, den sie noch 1338 der Inquisition zu
leisten vermochten, und der nimmer ruhende Ilass, mit dem sie gegen
Priester und Nonnen verfuhren, die das Unglück hatten in ihre Gewalt
zu fallen. ')
Wenn man nun sieht, was diese Secte, die so weit verbreitet war,
glaubte und lehrte und was sie von dieser Glaubenslehre aus that, so wird
man diu dem Tempelherren-Orden nachgewiesenen Verirrungen wenigstens
für jene Zeit nicht mehr als etwas so ganz Ausserordentliches, so ganz
beispiellos Dastehendes ansehen wollen und auch von dieser Seite her die
schon anderweitig gewonnene Vermuthung bestätigt finden, dass zwischen
templerischer und luciferianischer Geheimlehre irgend ein besonderer Zu-
sammenhang vorhanden gewesen Sein muss.
Nach der Lehrmeinung der Luciferianer ist der erstgeborene Sohn
Gottes, Lucifer, ungerechter Weise aus dem Himmel Verstössen and der
ihm dort zustehenden Rechte beraubt worden, — aber er wird dereinst zu
dem ihm gebührenden Platze aufsteigen und dann wird der denselben jetzt
einnehmende jüngere Sohn Gottes — er heisst hier Michael — mit den
Seinen den Qualen ewiger Verdauiiimiss verfallen, und dieses Geschick
werden diejenigen Menschen theilen, welche sich weigern Lucifer anzubeten.
Darauf bezieht sich der zugleich ah Erkennungszeichen dienende Gruss
der Luciferianer beim Begegnen: „Lucifer, der du Unrecht erlitten, ich
grüsse Dich." Von einer Menschwerdung Gottes, auch nur von jener
scheinbaren der Doketisten, ist natürlich hier nicht die Rede; folglich
wurde auch das Messopfer geleuguet und die Messe überhaupt verworfen.
Nicht anders urtheilteu die Luciferianer über die Taufe und die letzte
Oeluiig; auch die Ehe verhöhnten sie. Eine Reichte hatten sie zwar, aber
sie beichteten nicht Priestern, sondern Laien, und zwar nur im Allgemeinen,
nicht mit Aufzählung der einzelnen Vergehen, deren sie sich schuldig ge-
macht. I)ass diese Gemeinde nichts vom Fasten hielt und von der Sonn-
tagsheiliguug nichts wissen wollte, braucht nach alledem kaum noch he-
%
1) Schmidt I. III.