Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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anderen Anhänger gewonnen habe. Wenn man demnach wird annehmen
dürfen, duss sie dabei auch Palästina berührt, dass sie in diusein I^ande, das
wie kein anderes zu allen Zeiten das gelohte Land auch der Sectirereien, der
Confessiousscheidungeii und der Souderk i relien gewcseii ist und dies ja auch
heute noch ist, ihre Bekenner gefunden hat und dass demnach die Möglich-
keit vorhanden war, dass die Tempelherren dort zuerst von den lu-
ciferianischen Elementen inficirt worden sind, die wir in ihrer Lehre und
mehr noch in ihren Cultceremonien finden musateli, so liegt doch eine
Nöthigung zu dieser Annahme insofern nicht vor, als die Luciferiaiier
sicherlich auch noch weiter nach Westeu Verbreitung gefunden haben.
In derselben ZeiL, wo die Alhigeuserkriege in Südfrankreich wütheten und
wo angesichts der Greuelthaten, deren sich die Kirche in denselben
schuldig machte, und der gänzlichen Ohnmacht, welche dieselbe gleich-
zeitig im Morgenlande gegenüber den Ungläubigen offenbarte, unzählige bis-
her kirchlich gläubige Gemüther sich von ihr abwendeten, um die von nun
an unaufhaltsam sich mehrenden Reihen der kirchlichen Opposition zu ver-
stärken, linden wir die luciferianische Ketzerei bereits im westlichen Deutsch-
land eingebürgert. Und sie blieb, wenn auch einzelne ihrer Anhänger
sich durch unvorsichtige Aeusseruugen verriethen, in die Hände der Hüter
der Hechtgläubigkeit fielen und den .Märtyrertod starben, ') doch noch ein
ganzes Jahrhundert hindurch unentdcckt und daher auch ungestört und
namentlich ungehindert in ihrer Verbreitung. Sollte sie ihren Weg nicht
auch nach Frankreich gefunden haben? Das Eine leuchtet in jedem Falle
ein, dass es eine Menge von Gelegenheiten gab, wo der Tempelherren-
Orden, schon der katharischen Häresie verfallen, mit dieser Teufelsanbctung
und dem, was sich aus ihr ergab, in Berührung kommen und ein neues,
noch viel schärfer wirkendes Gift in sich aufnehmen konnte. Denn iu
keinem der Länder, wo die Luciferiaiier nachweisbar sind, sind die Tempel-
herren ganz fremd gewesen, und es ist ein hoher Grad von Wahrschein-
lichkeit dafür vorhanden, dass die Luciferiaiier auch in den Ländern, wo
ihre Existenz nicht actenmässig nachgewiesen werden kann, doch ein-
geschlichen gewesen sind und ihre Gläubigen gehabt haben. Sehr bezeich-
nend ist es ferner, dass die Luciferiaiier um gunz dieselbe Zeit von ihrem
Verhäiiguiss ereilt wurden, in welcher der Tempelherren-Orden zu Grunde
ging. Um 131-4 kamen die „Spürhunde des Hirten", die Dominicaner,
dem luciferianischcn Geheimniss endlich in Oesterreich auf die Spur; eine
1) So 1231 ciac Frau zu Trier: Uesla nrchiepiscoporum Trcvirensium bei
Marlene et Durand, Ampliss. Collectio IV, 244.