Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
jagte, Cieltl, Gut und Genuss erstrebte, erfüllte am vollkommensten den
Beruf dea Menschen.
Ks liegt auf der Ilaud, dass eine Lehre, die zu solchen praktischen
Consequeuzcn führte, die alle Schranken der Sittlichkeit aufhob, ja auf
die Verletzung derselben in gewissem Sinne den Preis der Gottwohlgcfällig-
keit setzte, bei wenig cultivirten und nach der sinnlichen Seite hin beson-
ders stark veranlagten Völkern lebhaften Beifall fand, ebenso wie bei solchen,
die in gewissem Sinne durch eine Art von üebercultur verdorben, sittlich
verwildert, in geistige Zuchtlosigkeit geratheu und daher vor allem ma-
teriellen Interessen ergeben waren.
Und eben iu einein solchen Zustande befand sich doch ein grosser
Theil der abendländischen Welt gegen das Ende des Kreuzzugszeitalters;
in ihrer Gesaunntheit war sie mehr oder minder von der sittlichen Locker-
heit und der geistigen Zuchtlosigkeit ergriffen, die, wie sie Mischculturen
fast ausnahmslos eigen ist, zuerst iu den Kreisen der im Orient heimisch
gewordenen Abendländer zu voller Entfaltung gekommen war. Gerade
jene fränkischen Abenteurer, welche unter dein Schutze des alle möglichen
Privilegien gewährenden Kreuzes iu Palästina und Syrien Befriedigung
ihrer Rauflust so gut wie ihrer Habgier, ihrer Herrschsucht so gut wie
ihrer Sinnenlust suchten und landen, waren geistig und mondiseli zur Auf-
nahme dieser wahrhaft teuflischen Lehre besonders disponirt, vollends seit
der Sieg des Islam im Ileiligeu Lande entschieden und damit auch die
Unfähigkeit und Rechtlosigkeit des Christenthums tur sie und viele andere
dargethan war. ') Eucheten, die nächsten Verwandten der Luciferianer,
gab es zu Ende des eilften Jahrhunderts in Mesopotamien; im zwölften
Jahrhundert ündcu wir sie iu Thracicn, wo sich mit ihnen diu Reste der
ähnlich gearteten Paulicianer verschmolzen, dort scheint auch zuerst der
Namen „Satanianer" aufgekommen zu sein, dem entsprechend die Secte
bei ihrer weiteren Verbreitung im Abeudlaude Luciferianer, Teufelsanbeter,
genanut wurde.2) In der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhuuderts haben
sie sich schon bis nach Deutschland ausgebreitet und sind namentlich in
Oesterreich, in Steiermark, Tirol und Böhmen nachweisbar; auch in Bran-
denburg und in deu Rheinlanden kommen sie damals schon vor.2) Es scheint
also, als ob diese entsetzliche Ketzerei, im Osten entstanden, in aller Heim-
lichkeit ihren Weg nach Westen gemacht und in einer Landschaft nach der
1) Vgl. oben S. 23 ff.
2) Loiscleur 67.
3) Schmidt I. 139.