Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
VII.
13ns Resultat, zu dum wir in der Erforschung der templerischen Ge-
heimlehre bisher gekommen sind, lässt sich wohl in aller Kurze dahin
zusammenfassen, dass wir sagen: auf einem und demselben Boden
erwachsen mit den durch ihr dualistisches System gekennzeich-
neten zahlreichen Katharersecten des zwölften und dreizehnten
Jahrhunderts hat sich die innerhalb des Tempel herren-ürdens
gepflegte Häresie in gewissen Punkten derjenigen genähert,
die wir als die der entartetsten und zügellosesten Ketzer-
geineinde jener Zeit kennen, nämlich der der Luciferiauer. Ehe
wir von dem so erreichten Standpunkte aus weiter gehen, wird es nützlich
sein, das sogenannte dogmatische System der Luciferiauer wenigstens in
seinen Ilauptmomenten kennen zu lernen und zu sehen, welche Conse-
qnenzen sich daraus für das Leben seiner Bekenner ergaben. ')
Es mag dahin gestellt bleiben, ob die Luciferiauer wirklich, wie man
gemeint hnt, von den sogenannten Eucheten oder Enthusiasten herstammen,
die bereits im vierten Jahrhundert in Asien vorkommen und, von dort ver-
jagt, in Thracicii heimisch geworden sein sollen, so dass mau von ihnen
auch die späterhin dort sitzenden Bogouiilen abzuleiten haben würde. Es
genügt, daran festzuhalten, dass nach der Lehre dieser Luciferiauer nur
der mit dem Vater zerfallene und aus dem Himmel verstossene älteste
Sohn Gottes, der Schöpfer dieser irdischen Welt, ein Anrecht auf die
Verehrung der Menschen besitzt, — mit anderen Worten, die Luciferiauer
machten die Materie zum Gegenstand der göttlichen Verehrung,
der Materie zu dienen war ihnen daher gleichbedeutend mit
Gottesdienst, die wilde Befriedigung jeder sinnlichen Lust liess sie sich
am meisten mit ihrem Gotte eins fühlen; wer nach materiellem Besitz
1) Vgl. Loisclcur 55 ff.