Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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gesetzte Hede von der Einsetzung desselben durch päpstliche Verleihung
wirklich glaubte. Aber in einem ganz anderen Lichte erscheint diu Sache
doch, wenn wir uns jener Absolutionsformel erinnern, ') welche Galcerand
de Tcus dem das Capitel leitenden und die Theünehmer absolvirenden
Ordensoberen in den Mund logt: „Ich bitte Gott, dass er euch eure Sünden
vergeben möge, wie er ihre Sünden vergab der Maria Magdalena und dem
Schacher, der au das Kreuz geschlagen wurde;" *) — und welche uns,
ausführlicher noch inotivirt, sonst im Uebrigen ziemlich wörtlich gleich-
lautend auch in dem englischen Processe begegnet.3) Diese Art der Ab-
solution ward denn doch iii die unmittelbarste Beziehung gesetzt zu dem
Cardiualpunkt der templerischen Geheimlehre, der Leuguung der Gottheit
Christi, der Behauptung, dass der in Palästina Erschienene und Gekreuzigte
nichts sei als ein für seine eigenen Vergehen mit dem Tode bestrafter
Verbrecher. Und iti diesem Zusammenhange begegnen wir uuu einer
gauz ähnlichen Handhabung von Beichte und Absolution bei den Katha-
rern4) und einer ähnlicheren noch bei den Luciferianern. Bei den Ka-
tharern nämlich war es üblich, dass die Hauptvergehen vor versammelter
Gemeinde einzeln bekannt werden mussten, während für die kleineren
Verstösse ohne vorhergehende besondere Beichte insgesammt die Ab-
solution ortheilt wurde. Die Luciferianer aber beichteten überhaupt nur
Iijiien und zwar nicht mit einer Eiuzelnufzählung der begangenen Ver-
stösse, sondern in einer alles allgemein zusammenfassenden Formel.6) Es
scheint also, als ob innerhalb dos Tempelherren-Ordens je nach der durch
die localen Verhältnisse gegebenen besonderen Anregung und je nach der
persönlichen Neigung des das Capitel leitenden Oberen in Bezug auf
Beichte und Absolution bald mehr dem Gebrauche der Katharor, bald
mehr dem der Luciferianer, mit denen man ja im Wesentlichen auf dem-
1) Vgl. oben S. CO—Gl.
'¿) ItavIiuiiarti 285.
3) Concil. IJrit. II, .'183. Der Eingang ist fast identisch mit den oben
S. GG N. 3 angeführten Worten; dann heisst es weiter: K nous de par Dieu c de
par le Woeste que nostre Sire otria a sein pere, la qiicle noMre pere le pape lieu
tenuunt a terre u otrye o la maison e a nos souverains et nous de par Dieu et
de par nostre mentre e de tout nostre chapitre liei pardonn comme leo vous puis
fere, ieo la vous faz de bon quer e de hone volonte. E prioius nostre Sire, que issi
vcraiement come il pardona a lu glorieuse Magdeleyiie, quand ele pluru
ses péchez e a larron en la croix mis pardonu il ses pechez e a vous face les
voz e pardone u tuoy le» miens.
4) 0. Schmidt u. a. O. 135—37.
5) Loiseleur 59.