Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
Tempelherren und Luciferinnern sehen, dass die einen wie die anderen ihre
zu religiösen Cercmonien bestimmten geheimen Zusammenkünfte unter dem
schützenden Dunkel der Nacht, in einsam gelegenen Gebäuden und wo
möglich in unterirdischen Räumen zu halten pflegten. Eine Uebcrein-
stimmung zwischen beiden Häresien ist ferner unverkennbar in Bezug auf
die Handhabung der Beichte und der Absolution. Zunächst nämlich
kann es nicht mehr zweifelhaft sein, dass die Tempelherren für ihre welt-
lichen Oberen das Recht in Anspruch nahmen, den Gliedern ihrer Gemein-
schaft die Absolution zu ertheilen und zwar selbst für Vergebungen, die
in der vorangehenden Reichte nicht bekannt worden waren. ') Wenn näm-
lich einzelne Zeugen die Sache so darstellen, als habe es sich bei der von
dem Hochmeister und anderen Oberen des Ordens ertheilten Absolution
nicht um eine Losprcchung von Siiudenschuld gehandelt, sondern nur um
eine solche von dem Unrecht, das durch einen Verstoss gegen die Ordens-
regel begangen war,5) so liegt auf der Hand, dass eine derartige Ver-
mischung sehr leicht sowohl thatsächlich wie namentlich in der Auffassung
der einem solchen Capitel Beiwohnenden cintrcteu konnte, dann aber darf
man nicht übersehen, dass diese Darstellung ausserordentlich geeignet
war, die in diesem Punkte gegen den Orden vorliegenden Anklagen zu
entkräften und auf ein leicht erklärliches Missverständuiss zurückzuführen.
Ausserdem aber wäre es ja nicht zu verwundern, wenn gerade in diesem
Punkte eine absolute Gleichförmigkeit iu all den zahlreichen Ordenscon-
venten nicht geherrscht hätte, so dass, während hier ein Oberer den Brüdern
selbst die Beichte abnahm und die Absolution ertheilte,a) dort ein anderer
1) S. Anklage Art. 108: Iicm, mainr error \c' viguit--qnod maguus
maglster posset absolvere fratres ordini* a peccatis ctinm non confessato, quae coii-
flteri propter aliqunni erubeseentiam nut timorem poi-uitentiao iniungendne vol in
tligendae oniiscmnt.
2) Coutil. It ri t. II, 33G: Rudolf v. Burton verneint alles und auch diesen
Punkt, er sagt: quod niugnus mngister posse! ipso» absolvere in capitulo de
delictis contrnetis contra observantinm religioni», sed de peccati» oc-
cnltis magister non introoiittebit se, quia laicus est. Vgl. Grnuvcllo 111—11'.'
über die Absolution non u peccatis, sed ab exccssibus regtiluriuiu. S. Coneil.
15 rit. II, 35G ff.
3) Kbendas. 307. Simon de Streche berichtet: quod magiiiis praeeeptor laicus
pmesidens capitulo dixit: Quod si uliquis subtraxerit eleemosynas donni* indebito et
iniuste, non habcat partem in bonis spiritualibus Dotnus (vgl. S. 383); sed si fratres
commiscrimi aliqiiapeoraUi, quae non audent conliteri propter erubescentiuui tarais
vel tiniorem iustitiae ordinis, rogo Deuni, quod remittal vobis, et ego n uc tori tat e
litterarum apostolicarum l'etri «?t l'unii remitto vobis et rogo, quod vos remit,
tati» mihi . . . Ebenda*. 38Í» — fust wörtlich ebenso: auotoritate mihi tradita
remitto.