Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
mou aus dieser schmutzigen Cereuiouiu eigentlich machen? Eine Probe
auf den unbedingten Gehorsam des Neulings gegen jeden Befehl seiner
Oberen kann man vernünftiger Weise doch nicht darin sehen, und ebenso
wenig ein Mittel, um diejenigen, welche um den Preis einer so entwür-
digenden Demüthigang in den Orden gekommen waren, durch Erregung
des Schamgefühls zur Wahrung des strengsten Geheimnisses zu bestimmen
über alles dasjenige, was bei ihrer Reception geschehen war. Nun spielte
auch bei den Kathareni bei der Aufnahme eines neuen Glied«» in ihre
Gemeinde, bei dem Consolamentuin, ') der Kuss eine nicht unbedeutende
Holle. Der neu Eingetretene erhielt von dem Aufnehmenden zweimal
den Bruderkuss auf den Mund und gab denselben dann an den ihm
zunächst Stehenden weiter, von welchem dann ein Gleiches geschal), so
dass zum Schlüsse der ganzen Ceremonie der Bruderkuss zwischen allen
an derselben Theilnehmenden gewechselt war.1) Sollte etwas Aehnliches
nicht in dem Tempelherren-Orden üblich gewesen sein? Sollten die drei
Küsse, die bei der Aufnahme in den Orden zwischen dem Itecipienden und
den ihn reeipirenden Bittern gewechselt wurden, nicht ursprünglich die
Bedeutung dieses katharischen Bruder- und Friedenskusses gehabt haben?
Die Annahme hat doch viel iutiere Wahrscheinlichkeit für sich. Die
schmutzige Entartung aber, welche diesen Gebrauch schliesslich zu einer
so widerwärtigen Grimasse umgestaltete, kann, da ja ein Zusammenhang
der templerischen Ketzerei mit der der scheusslichen Luciferianersecte
nicht abgeleugnet werden kann, von keiner Seite her so einfach und
so erschöpfend erklärt werden, als wenn wir ihren Ursprung auf lucife-
rianisches Vorbild zurückführen: derartige Ceretuouien stimmen einmal
ganz zu der crass sinnlichen Richtung, welche die Häresie der Luciferianer
kennzeichnet und, wie wir wissen, schliesslich in den wüstesten Orgien,
die für gottesdienstliche Handlungen galten, ihren Ausdruck fand. Zudem
aber werden wir weiterhin noch ein paar Momente kennen lernen, in
welchen die der letnplerischeu Ketzerei entsprungenen Cultusforinen ganz
bedenklich an die Greuel erinnern, deren Schauplatz die nächtlichen Zu-
sammenkünfte der Luciferianer waren.
Schon darin kann man einen neuen Zug der Verwandtschaft zwischen
Vgl. Conci). Ii ri t. II, U7t) : Thomas do Rroughtou sagt: quod bene audi vii in
partiluis truiiMiiarinis et contra, quoti quando aliqiiis Crater reeipitur in ordine tein-
|iluriorum receptos dcosculatur recepto rem in posteriora — und ähnlich »ehr oft !
1) C. Schmidt a. a. O. II, IUI tV.
2) S. auch Loiseleur 144.
l'rati, Tempelhirrcn. • " £