Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
kreuzigt wurde", und fügt dann folgende Erklärung hinzu: „Das ist nach
unseren Statuten von jenem Jesus oder Christus zu verstehen, der von den
•Juden gekreuzigt wurde, weil er sich ausgab fur einen Gott und für den
König der Juden, zum Hohne gegen den wahren Gott, der im llimmel
ist. Denn als derselbe dem Tode nahe war und Longinus seine Stute mit
der Lanze durchbohrt hatte, bereute er seinen Betrug und in der Reue
über sein Vergehen bat er den wahreu Gott um V erzeihung, und da hatte
der wahre Gott mit ihm Erbarmen und vergab ihm. Deshalb verstehen
wir die Worte: „Wie Gott dem Schacher am Kreuze vergab14, von diesem
gekreuzigten Christus. ■) Jesus ist den Tempelherren also nicht Mensch
geworden, also hat er auch den Kreuzestod nicht erlitten. So sagt
Etienne Trobati, einer von den Ordensrittern, welche in Gegenwart
des Papstes selbst durch eine Commission von Cardinale!! vernommen
wurden, ganz bestimmt aus, dass man ihm ein Crucifix gezeigt habe mit
der Erklärung, er möge ja nicht etwa glauben, dass Gott gestorben sei,
denn so etwas sei nicht glaublich.*)
Vou hier aus fällt nun auf das ganze häretische System der Tempel-
herren ein klareres Licht, und die anstössigen Ceremonien, die wir dieselben
üben sehen, werden nun erst iu ihrer eigentlichen Bedeutung recht gewürdigt
werden können. Wer die Menschwerdung Christi leugnete, selbst von der
scheinbaren Menschwerdung der Doketisten nichts wissen wollte, der
musste consequeriter Weise an alle demjenigen, was in Cultus und Lehre
der katholischen Kirche ganz speciell auf den Mensch gewordenen und
gekreuzigten Gott Bezug hatte, unüberwindlichen Anstoss nehmen und
darin eine Verirrung sehen, welche einen Betrüger, einen für seineu Betrug
mit dem Tod am Galgen bestraften Verbrecher zum Gegenstande gött-
licher Verehrung machte. Mit dieser Vorstellung musste daher derjenige
in unzweideutiger Weise gebrochen haben, der den Glauben des Tempel-
herren-Ordens theilen und die seiner in dieser Gemeinschaft wartenden ma-
teriellen Vortheile gemessen wollte.») So begnügt man sich nicht mit der
Verleugnung Christi und der damit vollzogenen I^ossagung von dem
Kirchenglaubeu, sondern behandelt dus Kreuz, das ja nun nichts ist, als
1) ltaynouard ¿82. Larron (von latro) entspricht genau (1er ursprünglichen
Bedeutung unseres «Schacher".
2) Ebenda«. 248.
3) Wie diese Seite betont wurde, zeigt die S. 57 uugeiuhrtc Stelle Michelet II,
208, wo man Hugo v. Nartac bei der Aufnahme verheisst, quod propter dictain
abuugacionem plus in bonis temporalibus habundaret.